instand

weils morgens so schwarz
dass das blaus schwer hat
sich drüber zu legen
und untergeht grau in grau
überleg ich mir
halbblinzelnd
manchen tags
ob ich lieber liegen bleib
wann ichs das letzte mal tat
und was es schaden könnt.
(wem.)

dann fällt mir das unheilbare ein
das ständig lauert auf den moment
dass du nachgibst. verdrängst. verwischst.

also zieh ich in die schlacht
schick den springer vor
der muss mir den läufer schützen
und wenn der müde wird
zieh ich mich in den turm zurück
lass die bauern sich aufstellen
den könig nur schonen wir.

wenn wieder kraft genug
rückt die dame aus
die greift gerne an.

so spiel ich schach jeden tag
mit jedem zug
bewegt man sich klüger
auf schwarz_weißem brett
zwischen abgrund + abflug
wirbt um glück + gunst
und zieht sie manchen tags auf seine seite
und andern tags nicht.

bis man müde des abends
fällt zurück ins warmweiche bett
ins schwere_los schwarz hinein.

solang ich genug widerstand
prob ich den aufstand.

gleich in welchem zustand.

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vi_si_one_n

Ich liege ich log im Verlies/ das mich nie verließ/ 1 Käfig, den ich mit Ruhe fülle/ Zum Schein./ Ich habs gelernt: allein./ So beklopf ich den Stein/ so bekopf ich das Sein.

Katja Schraml. Im Keller. Lyrik. In: Der Dreischneuß. Nr. 29. Visionen. Marien-Blatt-Verlag Lübeck. 01.08.2017.

(c) kaschpar

Thank you for hearing me …

15. Hörspielsommer Leipzig, 14.07.2017.

2. Hörspielmanuskriptwettbewerb.

1. Platz in der Kategorie Umsetzung: Theresa Moest und Conny Walter: Alles in Ordnung. (Text: Katja Schraml.)

Aus der Jury-Begründung:

„[…] Die Inszenierung folgt der Grundbewegung des Textes und macht die Diskrepanz zwischen dem entfremdeten Arbeitsalltag und den innersten Sehnsüchten akustisch erfahrbar. Ganz kühl und distanziert präsentiert uns die Erzählerin das Hamsterrad, in dem sich die Protagonistin bewegt – und unterläuft es gleichzeitig. Aufgesplittet in eine Hauptstimme, die wie ferngesteuert klingt, wenn sie minutiös die alltäglichen Abläufe und Arbeitswege beschreibt, und viele flüsternde, knapp unter und knapp über der Wahrnehmungsgrenze murmelnde Neben- und Unterstimmen, die guerillaartig andere Lebensentwürfe suggerieren, gibt sie dem Text Kontur und Dringlichkeit.
Durch Cut-Ups, Loops und Auslassungen, und dem streng rhythmisierten temporeichen Sprachduktus tritt die Inszenierung in Dialog mit der Textvorlage, interpretiert und weitet sie. Der entfremdete Alltag in seiner Gnaden- und Atemlosigkeit und der fiebrige Versuch, das System aufzusprengen, wird in dieser Inszenierung, die ihre akustischen Mittel ganz präzise und kontrolliert einsetzt, konsequent vorgeführt und sinnlich erlebbar gemacht.
Die Begegnung im Fahrstuhl, die mögliche Berührung, ja die Liebe selbst, wirkt in diesem lebensfeindlichen und doch alltäglichen Arbeitsumfeld wie die letzte mögliche Ausflucht, wie ein terroristischer Akt. Dass diese Restrenitenz in dieser Inszenierung eine so starke Stimme erhält, dass die Erfahrung der inneren Vielstimmigkeit hier so sinnlich ins Hörspiel übersetzt wird, verdient Bewunderung.
Dem Hörer geschieht Unvereinbares: Wenn er sich in der inszenierten Arbeitswelt wiederfindet und sich zugleich mit dieser Figur solidarisiert, im Glauben an die nicht restlos rationalisierbare Sehnsucht des Menschen nach Verschwörung und Liebe. Dieser Kampf hat in dieser Hörspielinszenierung seinen würdigen Gegner […]“.

Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für eure großartige Produktion!

Liebe Grüße, Katja

(c) kaschpar, Richard-Wagner-Hain, 14.7.17