Schwer_T.

In meinem Keller lebt 1 altes Weib.
Das ist von meinem Geschlecht.
[…] Ich weiß nicht, wann sie einzog. Sie war längst vor mir da, als lebte sie hier sicher tausend Jahr. Keiner wirft sie hinaus. Wer würd schon 1 arme alte Frau vor die Türe setzen, selbst wenn sie in ihrem Ofen Kinder brät, das wär ja gemein.

Katja Schraml: Schwer_T. In: Sachen mit Wörtern. Nr. 8 Schnitt. Berlin. 03.02.2018.

(c) kaschpar

wund_er_brand wutentbrannt

 

Stück für Stück hab ich freigelegt, über Wochen hinweg, unter schlicht dünnem Einheitsbeige brüchige ochsenblutfarbene Dielen zu Tage befördert. Ich wusst es noch, ich hatte die Ware ja selbst ausgelegt. Und doch hats mich überrascht. Wie mehr + mehr Dunkelrot sich vom Zentrum aus in die Wohnung fraß, wie 1 Wunde, die sich entzündet, Wund_er_brand wutentbrannt.

  • Das Gefängnis – oder: Von der Schwierigkeit des 1 Aufwaschs. Kurzprosa. In: Jenny. Nr. 5/2017. Anthologie der Universität für angewandte Kunst Wien. De Gruyter 7.11.2017.

W_andersmann

Jeder, heißt es, kann 1 Beförderungsrecht erwerben.
Jedermann!
Hören Sie ihn, den Tod? Zu mir spricht er ganz deutlich: Wandersmann anders_mann! Zeit für die weise Reise.
So gehen wir also. Und hinterfragens zugleich. Denn wer wandert, muss sich viel denken, damit der Weg ausgefüllt. Warum tut man jetzt das?
Ich geh zu Fuß, weil ich spüren muss, wie lang das ist: 1 Strecke. Was das wirklich heißt: Wetter. Wie schwer das ist: Lebensnotwendigkeit: Körper Kopf Kunst.

Katja Schraml: W_Andersmann. Kurzprosa. In: Karussell: Nr. 7: Verweile doch. Bergischer Verlag. 26.11.2017.

(c) kaschpar

C U 2n8

Ver_orten nennt sich das. Sich einpflanzen woanders für 1 bestimmte Zeit, um sich rundrum seiner selbst zu vergewissern. Wer bist du. Was machst du. Und warum?
So wollen wir Ordnung schaffen in unserer verworrenen Lebensfadenstruktur. Sichtung des Rot.

Katja Schraml. Aus_weit_ung. In: Freie Räume. Anthologie zum Wiener Werkstattpreis 2017.

Lesung im Rahmen der Vorstellung der Publikationen aus dem aktuellen Verlagsprogramm der Wiener Literatur-Edition FZA.

Montag, 06. November 2017, 19:00 Uhr, Lettrétage Berlin-Kreuzberg.