Go vegetarian

schnauze voll von lebensmittelskandalen? go vegetarian – wäre einfach genug gesagt, hätte man ehec nicht in sprossen gefunden (die man als echter no-pez-vegetariar erst mal für irgendeine sorte fisch hält) – trotzdem – einen gutteil der auch wieder aktuellen pferdefleischerregungen des deutschen volkes kann man sich damit schon mal sparen – und bei der Gelegenheit: schon unser guter sebastianus brantus wusste über „fälscherei und beschiss“ (ein tolles wort im übrigen) zu sagen:

„Die faulen Heringe man mischt
Und sie als frische dann auftischt.“ (Brant, Narrenschiff, S. 381)

Als dann: Vegetarier aller Länder und so weiter.

(und sobald tofu nicht mehr „wie geflügelwurst“ oder „wie Leberwurst“ verkauft wird und sojakäse bezahlbar ist und dafür keine regenwälder mehr abgeholzt werden, überlegen wir uns das mit dem vegan auch noch, dann greyerzer ade, so gut du auch warst, irgendwann muss auch damit schluss sein. oder?)

Unser Beitrag zum Thema – Aktuelles aus dem Narrenschiff

einführung ins Thema: das hätte man auch vorher wissen können – eine neue Kategorie

wir haben ein neues buch entdeckt, ein glanzstück neuhochdeutscher Dichtkunst, das uns viel müh und zeit erspart, alle deppen sondersgleichen zu benennen und lange geschichten uns auszudenken, wenn wir wieder in der zeitung lesen, wo wie was jetzt wieder ein Skandal, den man ganz nach deutscher manier gerne mit den worten „das hätte ich dir gleich sagen können“ oder „das war ja klar“ begleitet

wir schlagen einfach das narrenschiff auf von sebastian brant, das 1494 (sic!) schon alle mehr oder weniger großen idiotentypen ausführlich be- und ge- dichtet hat –

wir finden natürlich auf der ersten seite den dichter selbst, der sich, wie es sich gehört, zuallererst selbst eingeladen hat in und aufs narrenschiff, gefolgt von all den Prassern, säufern, Bettlern, hoffärtigen und der weisheit- oder auch gott-nicht-achtenden, von all den ihre-eltern-nicht-ehrenden, trägen, spottenden, versäumenden und weltenumbummelnden, über die herr brant (mit ausholendem einsammelnden griffe in biblische, aber auch griechische quellen und texte) seinerseits stark den kopf schütteln, die augen gen himmel also gott erheben musste, bevor er sie betrübt zu boden schlug –

wir seufzen mit ihm, aber natürlich auch über ihn und in ihm und durch ihn ganz laut und tief – Herr, wenn du uns damals schon solche boten schicktest, warum gibt es dieselben narren dann heute noch und noch mehr und andere und immer mehr? weil narrare humanum est wahrscheinlich. oder was weiß ich.

wir fangen heute an mit dem aktuellsten größten berühmtesten teuersten superlativiertesten narren, den berlin momentan zu bieten hat. dem flughafenbau(er)konsortium. über ihn lesen wir bei brant schon also 1494:

Vom törichten Planen.

Der ist ein Narr, der bauen will
Und nicht zuvor anschlägt, wieviel
Es kosten wird, und ob er kann
Vollbringen es nach seinem Plan. […]

Wer nicht gern Reu beim Bau gewinnt,
Bedenk sich wohl, eh er beginnt,
Denn manchem kommt die Reu zu spät,
Wenn es ihm an den Säckel geht.

Wer große Dinge leitet ein,
Der muss sich selber Bürge sein,
Ob er gelangen mög‘ zum Ziel,
Das er für sich erreichen will,
Damit ihn nicht des Glückes Fall
Mach‘ zum Gespött den Menschen all.

Viel besser ist es, nichts beginnen,
Als Schaden, Schand und Spott gewinnen. […]

aus: Sebastian Brant. Das Narrenschiff. Reclam 1964.

job gefällig?

Über Arbeit nachdenken, da kommt doch eh wieder nix raus bei. Über Sinn von Arbeit. Und Entfremdung von Arbeit. Über Gerechtigkeit in der Arbeit.

Über Menschen, die als Sicherheitswachmann eine bestimmte Ausbildung machen müssen, die Firmen anbieten, die sich auf die Ausbildung von Arbeitslosen spezialisiert haben, die dann von Firmen, die sich auf die Vermittlung von Arbeitslosen nur über mehr oder minder wertvolle Vermittlungsgutscheine spezialisiert haben an andere Firmen vermittelt werden, die sich auf die zeitliche Ausleihe von Arbeitskräften spezialisiert haben, damit die eigentlichen Produktionsfirmen, die Arbeitskräfte benötigen, flexibel bleiben können, keine Festangestellten beschäftigen müssen, keinen Betriebsrat befrieden müssen, keine Tariflöhne bezahlen müssen.

Willst du wirklich darüber nachdenken, warum Menschen für einen Euro die Stunde acht Stunden am Tag eine Straße rauf und runter, vier Kilometer hin und wieder vier Kilometer zurück, laufen müssen und ihre Arbeitskleidung und die Schuhe, die sie da durchlaufen Tag für Tag nicht als Arbeitskleidung zählt, sondern sie sich selbst kaufen müssen. Und dann müssen sie noch aufpassen, dass alle die Ordnung einhalten.

Und wenn du wirklich darüber nachdenken willst, dann tu mir noch einen Gefallen, dann geh noch mal ins Arbeitsamt vorher und schnupper die trostlose Luft, die da für Mindestlöhne in der Luft hängt, während andere Menschen in die Akademikervermittlung geschickt werden, die nicht auf der gleichen Etage liegt wie die für einen Arbeitsmarkt, der nicht der erste ist.

Und schließlich und letztlich, weil anders gehts dann doch nicht, lies dir mit mir noch die Stellenanzeige1 für eine/n Stadtsekretär/in (A 6) bzw. Tarifbeschäftigte/n (TVÖD 6, ca. 1.363,- netto monatlich zzgl. Jahressonderzahlung) durch für eine Stelle beim Ordnungsamt (nur Vollzeit), die vom Bezirksamt Treptow-Köpenick ausgeschrieben wird, bei der du zuständig wärst „für die Herstellung, Sicherung sowie Überwachung der Ordnung im öffentlichen Raum, gemäß Zuständigkeitskatalog Ordnungsaufgaben (ZustKatOrd)“, sowie insbesondere für dies und das:

  • Überwachung des ruhenden Verkehrs sowie des Fließverkehrs auf Fußgängerüberwegen und in Fußgängerzonen,
  • Feststellen von Verstößen gegen das Jugendschutz- gesetz und das Nichtraucherschutzgesetz,
  • Kontrolle der Einhaltung der Regelungen zur Benutzung öffentlicher Grün-und Erholungsanlagen nach dem Grünanlagengesetz, Waldgesetz und Naturschutzgesetz
  • Verfolgung illegaler Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes,
  • Kontrolle der Sauberkeit auf dem Straßenland und in den öffentlichen Grünflächen, Verfolgung illegaler Müllablagerung,
  • Feststellung von Sachverhalten im öffentlichen Raum bei Gefahren, die von Tieren ausgehen,
  • Einleitung von Maßnahmen bei Haus- und Nachbarschaftslärm,
  • Aufnahme von Bürgeranliegen und Beschwerden vor Ort zu Störungen der öffentlichen Ordnung,
  • Einleitung von Bußgeldverfahren,
  • Gelderheber/in.

Unabdingbar zu erfüllende Bedingung wenn du keine Beamtin bist, die die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen für den mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst erfüllt, du verfügst „mindestens über einen Hauptschulabschluß“ (den man im Übrigen seit der Rechtschreibreform vor wie viel Jahren mit Doppel-S schreibt – SS also, passend zum Thema).2

Aber wir dürfen ja nichts sagen, schließlich hockt da immer noch die NPD in der Bezirksverordnetenversammlung3 mit zwei Leuten, und da muss man solche Leute einstellen, sonst rennt NPD wie gehabt weiterhin selbsternannt für „Sicherheit, Recht und Ordnung“4 durch die Bezirke und macht den Pöbel scheu und rührt den Mob auf wegen unwahrer Dinge, die wir hier keiner Silbe würdigen. Und wenn du nicht laufen willst, zu Fuß, dann kannst du dich auch als Fahrer5 für den Bezirksoberhauptmann in Pankow bewerben, der sucht eine/n Kraftfahrer/in für bis zu 67,5 Std. bei 6 Arbeitstagen die Woche.

Und? Dann doch lieber was mit Büro? Kann ich verstehen.

1Quelle: http://www.berlin.de/politik-und-verwaltung/stellenausschreibungen/detail.php/3241

2Weil wir es verkürzt dargestellt haben: natürlich braucht es noch mehr Anforderungen, worüber die Bewerber/innen verfügen „sollen“:

  • eine abgeschlossene Berufsausbildung,
  • vorhandene Berufserfahrung im Allgemeinen Ordnungsdienst.

Fachliche Kompetenzen:

  • unabdingbar sind gute Deutschkenntnisse (Wort, Schrift, [und natürlich auch noch] Grammatik),
  • erwünscht sind Grundkenntnisse in der Informationstechnik (insbesondere Word [für die Berichterstattung hinterher?]),
  • kommunikative Kompetenz im Umgang mit Bürgern,
  • gewünscht sind Erfahrungen zur deeskalierenden Gesprächsführung und zur Eigensicherung [in welchem Beruf, für den ein Hauptschulabschluss notwendig ist, lernt man denn das? Oder in welcher Qualifizierungsmaßnahme?],
  • erwünscht ist eine abgeschlossene Verwaltungsausbildung oder ein ähnlicher Berufsabschluss.

Außerfachliche Kompetenzen:

  • Außendienst und Teamfähigkeit,
  • Flexibilität (Bereitschaft zum Schichtdienst),
  • körperliche Belastbarkeit sowie Stressresistenz und Konfliktfähigkeit.

Besonderheiten (am Arbeitsplatz):

  • Die Dienstverrichtung findet im Rahmen des Schichtdienstes statt (einschließlich Wochenenden und Feiertage [schon klar, wann sonst]).
  • Während des Außendienstes sind die Beschäftigten Witterungseinflüssen, Abgasen und Lärm ausgesetzt. [das heißt, es besteht mit diesem vorhergehenden Hinweis keine Möglichkeit mehr, entstehende Gesundheitsschädigungen im Nachhinein einzuklagen wie beim Marlboro-Man?]
  • Es besteht die Verpflichtung zum Tragen von Dienstkleidung.
  • Die Tätigkeit ist verbunden mit dem Anspruch auf Zahlung tätigkeitsbezogener Zulagen (inkl. Schichtdienstzulagen) [na gut]

3http://www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/bvv-online/allris.net.asp. Geht auch für alle anderen Bezirke.

4http://www.npd-berlin.de/?cat=38 – und dann auch noch NPD auf Facebook – zum Kotzen. Endlich verbieten – und alle Anhänger mit dazu. Dialektale aller Länder vereinigt euch.

5http://www.berlin.de/imperia/md/content/bapankow/117_3300_2012_bo.pdf?start&ts=1359038757&file=117_3300_2012_bo.pdf

bankenraub statt bankentzug?

bezüglich der verschwundenen bank (wir berichteten neulich) haben sich mittlerweile vermehrt hinweise darauf ergeben, dass es sich bei dem vermuteten bankentzug von staatlicher seite als maßnahme gegen öffentliche trinkgelage eventuell um einen falschverdacht handelte.

bedacht gedacht gewusst wurde nämlich nicht, dass das um die ecke des ehemaligen lauschigen stellplätzchens gelegene arbeitsamt schon seit dem 19.12.2012 geschlossen ist. wurde die bank also entfernt, weil es keine kunden mehr gibt, die sich hier ausruhen müssen vom erschöpften schlangestehen? oder keine mitarbeiter mehr, die sich hier ausruhen müssen vom erschöpfenden kundenverkehr?

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haben uns die bankräuber hier eine Nachricht hinterlassen?

mögliche antworten auf die frage nach der demontage der bank und deren urheber scheinen nicht auszugehen. eine weitere alternative: der vermeintliche bankentzug könnte auch ein bankraub gewesen sein ->

wenn dem so wäre, könnten mit der vielversprechenden (und vielleicht bald käuflich erwerbbaren) datensammlung der öffentlichen behörden die täter sicher bald dingfest gemacht und das arme hübsche bänklein wieder seiner ursprünglichen bestimmung zugeführt werden

public drinkin‘ prohibited?

eine neue – von öffentlicher seite aus noch nicht verifizierte – verordnung scheint sich dem – wohl unbeliebten – öffentlichen trinken anzunehmen. bisher gibt es noch keine einheitlichen regelungen für berlin. somit sind die bezirke auf sich allein gestellt. in spandau beispielsweise ist das öffentliche trinken in und rund um die altstadt verboten

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so schön war es noch vor ein paar Wochen


noch sind wir nicht so weit, diese verordnung auf ganz berlin auszudehnen – andere eurpäische länder haben das für ihre hauptstädte schon lange getan: dublin beispielsweise. hier ist schon längst auf Straßen (?) und in der stadt the consumption of intoxicatiing liquor prohibited.

in den einzelnen bezirken Berlins hingegen werden nun krude maßnahmen ergriffen, um den öffentlichen gelagen herr zu werden. jetzt  hat der wedding eine neue maßnahme eingeführt, die wohl bald die runde machen wird:  den bankentzug.

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nur die lampe ist uns geblieben

öffentlich zum alkoholgenuss genutzte plätze werden grundsaniert. manche neuköllner werden sich bei dieser vorgehensweise noch an die übliche drogenbekämpfung in der hasenheide erinnern. immer wieder einmal werden da bäume gefällt und sträucher ausgerissen, um den dealern schlupfwinkel und verstecke zu nehmen. eine nicht gerade umweltfreundliche maßnahme, die jedoch unter dem gesichtspunkt des jährlichen frühputzes durchgeführt nicht angegriffen werden kann.

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ein bild aus guten tagen

nun, wir werden sehen, wie es weiter geht mit der grundsanierung des wedding. wir werden auf jeden fall an diesem thema dranbleiben – denn wo sollen denn all die weddinger wanderer, ja wo sollen denn die ganzen alten menschen oder die kurz vor einer ohnmacht stehenden, die arbeitslosen, die das arbeitsamt um die ecke besuchen, wo sollen denn all diese leute ihre müden glieder ausruhen, wenn hier einfach alle bänke verschwinden? wo sollen sich all die kinder verstecken und rumtummeln, wenn alle sträucher ausgerottet sind? wo sollen denn all die durstigen ihre brennenden rachen stillen, wenn alle brünnlein abgestellt und das wasser privatisiert wird (anderes thema!?). na ja und halt so weiter. schaun wir mal.

wenn man den glauben verliert

es gibt viele gelegenheiten, den glauben zu verlieren. eventuell wäre sogar eine eigene rubrik dafür denkbar, so oft scheitert man an den eigenen vorstellungen vom möglichen. aber nicht jede woche oder jeden tag möchte man dieser kategorie etwas hinzufügen. daher kommt das folgende zitat, wenn es auch wehtut, unter die sparte „nur zitiert“.

jeden tag zitiert das berliner fenster der bvg eine mehr oder weniger berühmte persönlichkeit mit einem mehr oder minder tiefgreifenden spruch. der schriftsteller Bukowski (nicht zu verwechseln mit dem nicht so einfach zu zitierenden Neuköllner SPD mann heinz buschkowsky), stand da schon einmal mit einem berühmten Ausspruch, in dem das wort whiskey vorkam. mehr (worte und personen) habe ich mir nicht gemerkt (wieso eigentlich).

nun aber das, was sich in mein gehirn eingefressen hat, was wie säure sich durch meine windungen ätzt und alle berühmten zitate und zitateure erbleichen lassen müsste: am 23.01.2013 zitiert das berliner fenster, ich kanns gar nicht glauben, eine von mir bisher anscheinend absolut unterschätzte geistige ikone des 21. jahrhunderts:

paris hilton: „Zieh dich hübsch an, egal wohin du gehst. Das Leben ist zu kurz, um in der Masse unterzugehen.“

danke, berliner fenster. danke, dass du so für meine bildung sorgst.

weils so schön war

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kreative menschen gibt es überall in Neukölln. ob sie nun versuchen gewerblich ein auskommen damit zu erwirtschaften oder ob der ausdruckswille im vordergrund steht. man findet kunstwerke und künstler nun an jeder ecke. künstler und überkünstler. der schlagabtausch zwischen verfeindeten gruppierungen dabei ist nicht zu unterschätzen. unerwünschte graffittis werden von Kontrahenten übermalt und beseitigt, nicht ohne sensible gestaltungskraft. unkonventionelle lösungen finden dabei besondere Berücksichtigung. anders gesagt: man weiß sich halt zu helfen. ja, es fehlt mir, das ursprüngliche neukölln, es fehlt mir.

also wedding

jetzt also im wedding.

natürlich zuerst, weil danach nicht mehr viel kommt: engl. hochzeit. hochzeitsland. hoch-zeit-land. land der blüte. wo alle autos wie in bayern hupen, wenn blumenschmuck das erste in einer langen reihe ziert (fahrten in konvois wie bei hochzeiten und beerdigungen unterliegen nicht dem straßenverkehrsordnungsgesetz nicht-über-rote-Ampel(n)-fahren“).

nun. welche assoziationen noch, welche guten und schlechten. gute zeiten schlechte zeiten. gutes wedding schlechtes wedding. prime time müller ecke ding, zwischen sprengelkiez (gutes wedding) und nettelbeckplatz resp. leopoldplatz (…).

wedding gleich wehding? ein ding, das weh tut? sich ein wehding zu leide tun. sich den wedding antun. dem wehding annehmen. wedding wie wetthing. ein nasses ding. wedding gleich wegding, die verlassene wüste (darf man in zeiten ominpräsenter partizipativer ansätze wikipedia noch kritisieren und auf andere quellen wie luise-berlin.de und weiterführend kauperts hinweisen?) und später up den wedding (ebd.) wies auch heute noch so schön heißt, fahrn uffn wedding.

so da sind wir. nach zwei jahren funkstille (was ist geschehen). wieda da. na dann.