schramltours: burgenwanderweg: ragösen – ziesar – wiesenburg (teil 2/2)

schramltours: burgenwanderweg: ragösen – ziesar – wiesenburg, 77 km

mit burgenwanderweg, burg ziesar, pramsdorfer tongruben, gut dahlen, ruine dangelsdorf, burgwall görzke, kirchenruine elsholz, alte hölle

tag 2: ziesar – wiesenburg, 40,5 km

was bleibt:

  • die beiden anderen gäste beim frühstück, von denen die frau schon am frühen morgen sagt: “ich schaffe das nicht mehr, ich würde gerne, aber ich kann nicht mehr” + dann hinzufügt “vielleicht noch bisschen obst”
  • das halbe übrige nutellabrötchen, das ich vom frühstücksbuffet klaue, während ich hoffe, die mitarbeiterin sieht beim abkassieren der beiden nicht durch das fenster herein + die versuchte unverfänglichkeit, die ich beim zahlen aufsetze, damit ich das ruder herumreiße, weil vielleicht liegt die stimmung doch an mir + meinem auftreten: “erst mal ganz herzlich danke für alles!”, wobei ich das nutellabrötchen unerwähnt lasse, worauf sie sagt: “ja dann krieg ich 79,- €” + wir verstummen beide wieder bis zum ende des bezahlvorgangs, bis ich in die keksschachtel greife: “darf ich mir noch 1 keks mitnehmen?” – “ja, gerne auch mehrere” + und ich glaube, sie hat das mit dem brötchen gesehen, aber jetzt ist auch schon egal
  • der frische morgen + die hergerichtete burg
  • all die schlupflöcher
  • der rote reißverschlussmund, den man der gesichtslosen statue ins antlitz gemalt hat
  • die leuchtenden gelben+roten sand+backsteinmauern im hellen novembermorgen unter blaustrahlendem himmel
  • das unangenehme gefühl, das nicht weggeht, bis ich raus bin aus ziesar
  • die alte kleine lesende frau im großen schlosspark
  • meine güte, das wetter
  • die efeuumschlungenen bäume
  • pilze, so groß wie meine füße
  • die neuen schuhe, die gleichen wie in schweden, und 1 nummer kleiner reicht auch
  • die autobahn wieder
  • die volle mülltüte von anderen, die wir nicht mitnehmen + das stück plastik, mit dem wir uns abkämpfen, bis wir es in unseren beutel kriegen – das müssen wir überdenken, vielleicht brauchen wir werkzeug oder andere beutel
  • die angeblichen edelkrebse, die es hier noch geben soll, vom aussterben natürlich bedroht
  • die ultimative endsonne
  • die liegengebliebenen weggeworfenen sohlen, die jemand von schuhen abgerissen haben muss
  • gefüllte mülltüte nr. 3
  • das bildbearbeitungsprogramm nach dem update jetzt auch mit 3-dimensionalen zudrehungen/schneidungen
  • die einsamen übriggebliebenen bäume inmitten des kahlschlags
  • der gutspark dahlen, den wir auslassen + die 3 motorradfahrer vor dem geschlossenen waldcafé in der beratschlagung
  • die neuangepflanzte buchenstreichholzanlage, so wird das nichts
  • das schild oben am baum “if not you – who?”
  • die ruine dangelsdorf, die wir nicht sehen
  • die kleinen menschen + hunde inmitten der weiten felder (die kollegin, die fragt, ob die brille zu groß ist – “von weitem nicht”)
  • die 3. + letzte müllladung, jetzt ists gut, hebt euren dreck selber auf
  • der übriggebliebene burgwall + der mann, der dort steht + raucht
  • die verlängerung der strecke von görzke, wo wir den bus eh nicht kriegen (wollen) bis wiesenburg, was eigentlich zu lang ist, aber wird schon gehen (gegangen werden)
  • die delle von görzke
  • der lichte buchenwald + all die baumstümpfe – why did you do it?
  • all das laub
  • die kirchenruine elsholz, für die wir jetzt keine zeit mehr haben, weil laufen können wir heute nicht
  • auf der suche nach der erklärung über die alte hölle das schild nur unscharf fotografieren, weil 2 jugendliche daneben sitzen “hallo”
  • das schild “vorsicht stop bissgefahr” + die frage nach der zugrundeligenden ursache + die gegenseitige überraschung durch das auftauchen der wildschweine später *grunz*
  • das erreichen des bahnhofs in der dämmerung
  • die mitfahrer*bank “nimm mich mit” neben dem bushäuschen mit der aufschrift “leave no one behind”
  • der barfüßige mann im zug
  • die ankunft daheim so spät wie lange nicht mehr
  • der wohlverdiente schlaf am letzten tag des 44. lebensjahrs

im alter braucht man immer mehr zeit für immer weniger dinge.
vielleicht fällt das sterben daher so schwer: man kommt zu nichts mehr