schramltours – neustadt (dosse) – friesack (mark)

starten Sie gehetzt in den urlaub. die ganze zeit hätten Sie sich 1 plan überlegen können, was Sie machen, stattdessen verplempern Sie die goldenen abendstunden und hocken dann pünktlich zu urlaubsbeginn vor dem fassungslosen abgrund Ihrer existenz. das große schwarze leere loch, in das Sie nun langsam hinabsteigen können wie in den keller Ihrer kindheit, das sich unweigerlich über all den realisierbaren wie unnerreichbaren optionen des arbeitsausgleichs = frei_zeit vor Ihnen auftut + mit nichts zu füllen ist in so kurzer zeit.

natürlich ist da der anker tätowiertermin am ende der woche, der schneidet Ihnen die zeit aber auch in 2 ungleiche hälften, die Sie mit dem lädierten knie eh schwer wissen zu nutzen. leider ist die orthopädin erst am montag wieder da. ach so. ja und dann ist da noch der bahnstreik.

planen Sie erst mal bis spät nachts noch alle strecken um die letzten etappen des e9 herum, den Sie vollenden könnten, da die ostdeutsche eisenbahn nach wismar fahrplanmäßig fährt. stellen Sie fest, dass alle menschen zur gleichen zeit urlaub am schweriner see machen und bereits alles ausgebucht ist. planen Sie auf die schnelle irgendeine strecke, die mit der odeg zu erreichen ist und legen Sie sich hin, Sie müssen ja um 3:07 uhr schon wieder raus.

neustadt (dosse) – friesack (mark), an der dosse hinab + an rhin + rhinkanal zurück, 34,4 km, den größten teil im raschen schritt gegangen

fragen Sie sich keinesfalls, warum das alles so ist. seien Sie froh, wenn Sie 1 plan haben, stick to it!

drücken Sie mind. 1x snooze, wenn die polka klingelt. hetzen Sie dann, Sie haben ja nicht vorgepackt + nur 25 min. zeit. finden Sie das first-aid-pack nicht. suchen Sie es nicht mehr, Sie haben keine zeit! rennen Sie zum bus, kaufen Sie, da Sie kein abo mehr haben, im lauf das ticket, winken Sie dem fahrer, der schon neben Ihnen angebraust kommt, haben Sie die maske griffbereit. freuen Sie sich + danken Sie dem netten bvgmann, der unerwartet angehalten + auf Sie gewartet hat. versuchen Sie möglichst gleichmäßig durch Ihre von hand aufgedrückte maske zu schnaufen.

merken Sie sich dieses glückliche erlebnis. Sie stehen nun in der schuld der güte – oder wenn Sies positiv formuliert mögen: jetzt können Sie das gute zugeteilte weitergeben. zum guten austeilen bedarfs natürlich keines empfangs 1 vorherigen leistung, aber wenn es sich gerade so ereignet hat, ist das bewusstsein verpflichtet, sich dessen genau zu erinnern + dem guten in der welt zu entsprechen.

fragen Sie sich ruhig, warum Sie alles gleich wieder in so 1 zwangsmodus verpacken müssen oder das ereignis relativieren wollen mit “es ist ja des busfahrers job”. ich sagen Ihnen schon warum: weil Sie a) auf dem katholischen dorf aufgewachsen sind und b) lange genug in der großen stadt wohnen, um so apodiktisch zu werden.

ignorieren Sie so gut es geht alle gestrandeten schnapsleichen am bahnhof + laden Sie sich podcasts runter mit dem örtlichen wlan. tun Sie es nicht, nachdem das wlan neuerdings cookieprobleme hat oder einfach ebenfalls in streik getreten ist. kontemplieren oder meditieren Sie. im zug schauen Sie aus dem fenster und überlegen sich, wie Sie möglichst von den zahlreichen mitreisenden unbeobachtet ihr auflösbares ibupulver aus der tüte in den mund bekommen.

wurscht. als ob die anwesende durchseuchungsinzidenzgruppe darauf achten würde. sie ist viel zu beschäftigt mit der eigenen müdigkeit. erstaunlicherweise steigen alle in biesenthal aus. hören Sie derweilen doch 1 gespeicherten podcast über das klima und notieren Sie sich alle vorkommenden wörter wie klimawohlstand, klimagerechtigkeit, klimaschleuder. befragen Sie die textfeldfunktion Ihres handys und schreiben Sie klimakterium dazu. verfügbarkeitsheuristik ist die annahme der höheren wahrscheinlichkeit eines ereignisses aufgrund seiner meist größeren sicht+hörbarkeit als die des vergleichsobjekts. verlinken Sie den leser*innen 1 richtige erklärung.

steigen Sie aus. die tour fängt erst an.

erinnern Sie sich an der 1. kreuzung, dass Sie 1 stück hier schon gelaufen sind und an d. impfidiot*in im ort.

vergessen Sie nicht bei der tourbeschreibung die tourbeschreibung.

es ist wunderschön. Sie verschwinden im nebel + das 1. mal haben Sie nicht das gefühl, verschluckt zu werden, sondern als könnten Sie ihn essen, so schwer wiegt der film auf Ihrer lippe. Sie fürchten sich nicht im dunkeln, weil Sie Ihre lampe dabei haben, aber die brauchen Sie bald gar nicht mehr. Sie winken den tieren, 1 schnecke, 2 pferde, 1 biber (my one true love ❤️), 7 reiher (second love ❤️), 11 schwäne (love them all ❤️), all die rehe ❤️❤️❤️…

die dörfer nennen sich hier in der gegend wie sie mögen, die einen sind pferdestadt (neustadt), die anderen das dorf an der dosse (hohenofen), die raffiniertesten früheres hexendorf (sieversdorf). alle haben die gleiche druckvorlage vom landratsamt bekommen. anscheinend gibt es irgendwo 1 mir unbekannte filmtierschule + auf den fotos, die über die alten fabrikgebäude gehängt wurden, sehen die männer vom ende 19./anfang 20. jh. genauso aus wie heute.

Sie kommen an mehreren zäunen vorbei, die Sie gekonnt passieren. auch die strecken an der hauptstraße machen Ihnen nichts aus. gefahrenstellen, die Sie wie immer magisch anziehen, überwinden Sie mit Ihrer lebenslangen erfahrung problemlos mit 1 leichtigkeit, die Sie sich neu ins konzept schreiben dürfen.

bei km 16 müssen Sie die leichtfLüßigkeit wieder aufgeben wegen knieschmerzen. da Sie aber schon über den punkt der umkehr + den der abkürzung sind, gehen Sie weiter. natürlich kommt jetzt erst die gute laufstrecke mit dem betonuntergrund, vorher sind Sie ja über die deichnarben gehampelt, nun humpeln Sie über die ostplatten. versuchen Sie trotzdem, frohen mutes zu bleiben. hören Sie podcasts, machen Sie fotos, sehen Sie den reihern+schwänen bei der flucht vor Ihnen zu, machen Sie ein paar videos, grüßen Sie nils auf dem rücken der gänse.

testen Sie Ihre schuhgröße im vergleich mit den 1. pilzen der saison + gehen Sie nun das projekt pilzerkennung+sammlung an, das Sie sich letztes jahr bei der 1. laufpause vorgenommen haben, als klar wurde, dass Sie nun ins alter kommen. versuchen Sie auch 1 bild vom dreetzer see zu machen, an den man nicht rankommt. bleiben Sie dran.

hören Sie den neuen coronapodcast mit dr. drosten + überlegen sich, ob Sie auch die 2g regel befürworten sollen. und nehmen Sie sich vor, die stikoempfehlungen anzuschauen, um zu wissen, welche gruppe außer kindern noch übrig ist ohne impfempfehlung. erinnern Sie sich an die endgültige einstellung der hiv-impfstoffentwicklungsstudie imbokodo von johnson&johnson vor 3 tagen und schütteln Sie den kopf.

(lesen Sie beim googeln dieses podcastst auf der homepage des deutschlandfunks über die “gefälschte ehrlichkeitsstudie” und lachen Sie herzhaft. sparen Sie sich aber den text für später auf.)

werden Sie etwas schwermütig beim anblick der letzten fluchten, die diesmal wirklich fluch, weil Sie beim laufversuch merken, dass das knie Ihnen was dringendes zu sagen hat. Sie wollen nicht hören, aber ich wette mit Ihnen, dass es Ihnen heute abend die meinung sagen wird. versuchen Sie 1 abkürzung zu finden oder 1 verbindung nach hause + werden Sie enttäuscht. dann werden Sie wieder Sie selber + halten durch.

versuchen Sie, im besiedelten gebiet ruhig zu bleiben und keine kopfszenarien anzuwerfen, wo Sie 1 linie übertreten + jemand Ihnen 1 vorwurf macht + Sie zurückpampen. es wird nicht passieren, Sie brauchen sich nicht wappnen.

schwören Sie sich selbst 1 laufpause bis zum marathon. verwerfen Sie alle urlaubspläne mit langstreckenwanderungen oder -läufen oder harzer bergstiege.

kehren Sie nach hause zurück + behandeln Sie Ihr knie. gehen Sie am montag zur orthopädin. ruhen Sie aus. planen Sie 1 ersatzprogramm. runzeln Sie die stirn beim niederschreiben dieser sätze. legen Sie sich hin. vergessen Sie mich. Sie tun ja sowieso, was Sie wollen.

(c) kaschpar