schramltours – eberswalde – bad freienwalde

sind Ihnen richtig gute kopfhörer zu teuer? kaufen Sie sich einfache, die kaputtgehen, tauschen Sie sie gegen andere günstige plastikware um, die ebenfalls im handumdrehen schrottet, ringen Sie sich zu 1 paar billigairpods durch, lassen Sie diesen 3 wochen zeit für die kapital kapitulation. da haben Sie Ihren gutschein beim umtausch für die teuren kopfhörer. jetzt konnten Sie wenigsten schon probieren, ob Sie dafür auch geeignet sind, weil Sie ja doch immer wieder mal was liegenlassen/verlieren. oder vergessen, dass die dinger nur sanft in Ihren ohren stecken und bei jeder bewegung wie an+ausziehen der büffe runterfallen. seien Sie froh, dass Sie die teuren gekauft haben endlich, Sie schirmen Ihnen den lärm ab von der welt – meine güte, was für 1 freude! und gehen nicht gleich kaputt, wenn sie runterfallen. und wieder runterfallen. und. (mal sehen.)

lassen Sie auf keinen fall das marathonziel aus den augen, auch wenn Sie die erinnerungen der vorbereitungsapp (trommelfeuer um 6 uhr) nur noch wegschieben, ohne reinzuschauen – alles wird rot unterlegt sein, weil sie keine kraft-, dehnungs-, sprint-, intervalltrainings machen. nur die langen läufe am ende der woche, suchen Sie sich daher auch für dieses mal 1 strecke mit viel asphalt (kaufen Sie sich neue marathonschuhe, in den alten kriegen Sie krämpfe, verkaufen Sie das zusätzliche paar, das Sie sich damals aus übermut zugelegt haben, sagen Sie niemandem, wie viele paare Sie wirklich besitzen, es ist Ihnen peinlich), starten Sie so früh wie möglich, da es wieder 26 (schreiben Sie aus versehen 36) grad werden soll. stellen Sie den wecker.

träumen Sie davon, dass Sie am tisch in der arbeit sitzen, hingefläzt, den kopf nicht heben können vor lauter müdigkeit, treten Sie 1 diskussion los über freie plätze und wie viele man wo in 1 reihe freihalten soll (nicht wegen abstand, sondern fehlender personen), finden Sie, dass die person, die den vortrag halten soll, alleine am tisch sitzen darf, weil das stören würde, wenn dieselbe person daneben nochmal sitzt. (?) wachen Sie vom wecker auf, es ist 3:27 uhr. unterdrücken Sie den snoozewunsch + stehen Sie gleich auf, Sie haben nicht gepackt und müssen sich beeilen + konzentrieren gleichzeitig.

eberswalde – bad freienwalde, 32,5 km (ca.), 4:32 std. zzgl. foto+badepausen

freuen Sie sich, dass es so kühl am morgen ist, dass Sie in Ihrem leichten sportdress etwas frösteln. vor ein paar tagen ist der herbst unter dem sommer her mit dem schatten ins land eingezogen, und immer, wenn die sonne Ihnen den rücken kehrt, weht Sie 1 kalter wind an. stellen Sie fest, dass es Sie erschreckt.


Sie haben fast alle richtungen von eberswalde heraus schon durch, aber den 63 km langen finowkanal (Sie haben sich 110 km gemerkt …) sind Sie noch nicht durch, nämlich von hier aus nach osten können Sie noch was Neues erkunden. überholen Sie die von Ihren berlinausflügen heimkehrenden jugendlichen mit lockeren sätzen die bergERstraße bergab + biegen Sie ab, gleich sind Sie am kanal. Sie kommen gerade rechtzeitig zum sonnenaufgang, der immer später nun auftauCHt. seien Sie froh, dass Sie die tour nach frankfurt/oder verworfen haben, wo Sie wieder um 3:48 uhr am bahnhof gestanden hätten. es ist noch frisch von den letzten tagen.

drücken Sie bei der bearbeitung der bilder immer auf “verbessern” + erzeugen Sie stärkere farbkontraste als die wirklichkeit. am ende werden Sie glauben, es war wirklich so grün. machen Sie es aber auch schon vor ort, indem Sie den zentralen fokus per touch <tatsch> auf den horizont richten – seien Sie beim doppelten nachverbessern überrascht, wie unterschiedlich die bilder vom selben moment geworden sind. in wirklichkeit war alles anders.

freuen Sie sich, dass es gut läuft, die ibu wirkt, der rucksack nicht ganz so schwer ist aufm rücken wie beim hochheben, das wasser trinken Sie ja aus + auf die scheibe wassermelone am ende freuen Sie sich jetzt schon, es macht Ihnen gar nichts aus, sie zu tragen. sehen Sie sich die nächsten km satt am nebel.

laufen Sie so schnell es geht, Sie wissen ja nicht, wie lang es dauert, kommen Sie so weit wie möglich. seien Sie erst beim einlauf in niederfinow traurig, dass Sie durch das grün so schnell durch sind, Sie haben bei der planung übersehen, dass Sie nicht mehr am kanal entlanglaufen, sondern durchs dorf, das sich elendig in die länge streckt + an jeder ecke werbung für den heutigen kunst+krempel markt macht.

aber da Sie zügig unterwegs sind, sind außer den zwei leuten, die was für den markt aufbauen, keine menschen unterwegs. nur der bernhardiner, neben dessen grundstück Sie 1 foto von der wiese machen, ist schon wach + hätte 1 lautstarkes interesse daran, Ihnen an den kragen zu gehen, bevor er sich beruhigt + Ihnen aufmerksam beim linsenputzen zusieht. er ist übrigens nur halb so laut wie die hunde am ende in schiffmühle, aber zu denen sagen wir schon noch unseren teil. seien Sie natürlich auch neidisch auf die menschen, die im kühlen grunde wohnen.

Sie können jetzt die sonnenbrille aufsetzen, es wird 1 langer ritt durchs dorf. dazwischen blitzt immer mal wieder die finowwiese auf, und hätten Sie ahnung, würden Sie vielleicht auch den kanonen+schlossberg schäfergrund von falkenberg sehen, aber Sie konzentrieren sich ja heute auf die strecke, es schnurpselt nicht wirklich, aber es geht doch einigermaßen voran, schon lange keine acht km mehr in 1 stunde geschafft. Sie drücken bei jedem halt auch auf “stopp” – und vergessen natürlich nicht, auf “weiter” zu drücken, wenn es das geht – sonst müssten Sie zurücklaufen, hat die freundin neulich gesagt, und da hat sie recht.

biegen Sie am ende von niederfinow, das Sie nicht mehr erwartet hätten, ab und laufen Sie 1 stück am oderberger gewässer entlang, überqueren Sie den finowkanal, machen Sie 1 bild vom schiffshebewerk und winken Sie den freund*innen auf der anderen seite des kanals zu: diesen weg kann man trotz niederfinow noch 1x laufen, um bei gelegenheit 1 besuch zu gestatten erstatten, überlegen Sie auch kurz, sich spontan zum frühstück einzuladen, nur, um mal so auszuprobieren, wie andere leute so sind, dann laufen Sie weiter, während Sie im seitenblick unter haustüren lungernde personen ignorieren.

nutzen Sie 1 motiv für 1 verschnaufpause.

ärgern Sie sich später über die neuen wordpressfunktionen, die mit dem letzten update unaufhaltbar in Ihre benutzeroberfläche eingegriffen haben + nun ständig für fehlermeldungen sorgen beim eingeben der erlebnisse, schauen Sie während des neuladens die fotos durch + stellen Sie fest, dass Sie die weitwinkeloption Ihres handys nicht verstehen, die regulär verschwommene bilder fertigt, aber bei strahlendem sonnenschein schönste motive liefert, während die normalen 1:1 einstellung fadensonnenscheinige zerwürfnisse bringt. starten Sie das fotoprogramm nach fehlermeldung neu + lassen Sie sich von der waschmaschine im hintergrund, die das zu spülende geschirr durcheinanderwirbelt, nicht aus der ruhe bringen, nehmen Sie sich vor, sich kurz zu fassen, Sie wollten doch in die lyrik. sagen Sie nichts über den minimalismus, den Sie angeblich anstreben, es glaubt Ihnen eh keine*r. speichern Sie zwischendurch, sonst ärgern Sie sich. das wollen Sie nicht. Sie sind doch das technik-aAs. es ist 1 schöner tag.

machen Sie ab jetzt weniger bilder. vielleicht, wenn Sie über die alte finow oderberg ins naturschutzgebiet niederoderbruch gehen, wegen dem Sie gekommen sind. stellen Sie hinterher fest, dass Sie davon nichts mitbekommen haben, weil Sie immer auf die kornfelder rechts gestarrt haben, wo einige kraniche sich den bauch für den winter anzufressen beginnen. Sie können sie nicht sehen, nur hören.

biegen Sie dann auf die brücke über die wriezener alte oder (wao) ab, grüßen Sie den 1. autofahrer, den Sie heute sehen, und laufen Sie gegen die sonne an. machen Sie kein laufvideo. da Sie socialmediafasten, können Sie die videos nirgends unterbringen als auf Ihrer homepage + da verstopfen Sie Ihnen den speicher. genießen Sie das runner’s high.

es ist unglaublich, aber Sie laufen immer noch. die rehe starren Sie fassungslos an. Sie wollen die 21 km schaffen. die 25 km. Sie gehen die 26 + wollen es dann nochmal wissen. anstatt nur kurz in die wao zu steigen, laufen Sie noch vor bis schiffmühle, die nächste tour soll am grab von fontanes vater vorbei, aber Sie merken, das wird zu lang, biegen Sie also ab + entdecken Sie das vergessene highlight: fontanes vaterhaus (wo 1 grab da auch 1 haus!). überlegen Sie nur ganz kurz, es auf das nächste mal zu verschieben, Sie haben ja schon 28 km. dann traben Sie die paar meter doch hinunter.

haben Sie folgende emotionen der reihe nach: amüsement ob der pappfigur. bewegtheit ob des fachwerks + des kleinen eingangstors – oh wenn doch alle häuser so erhalten werden würden. peinlichkeit aufgrund der nachbarn gegenüber, weil Sie in deren augen zu den fontanepilger*innen gehören. wurschtigkeit deswegen + extra bilder obenauf. zufriedenheit, weil Sie da waren. keine nostalgie, weil fontane hier vor 157 jahren zum letzten mal dem papá die hand gedrückt hat, wo Sie stehen.

dann nehmen Sie sich zusammen + suchen 1 wasserstelle auf. trauen Sie sich ruhig über die hauptstraße, es gibt ja keinen gehweg. vertrauen Sie darauf, dass auch die autofahrer*innen nichts von ihrem samstag haben, wenn sie Sie hier ummähen umsäbeln. (es ging 1 schnitter*in übers land.) außerdem zeigt da vorne ja 1 schild spielende kinder (lekande barn) an.

finden Sie die nicht ausgezeichnete wasserstelle + seien Sie überrascht, wie frisch das wasser ist. es ist doch noch august! nur mit allergrößter überwindung tauchen Sie kurz unter, sie lädt sowieso nicht so zum baden ein, die wao. zum 1. mal heute sehen Sie auf die uhr, um die zeit zur abfahrt des zuges zu ermessen + haben das gefühl, Sie haben ewig zeit.

gehen Sie unverdrossen an den häusern der sackgasse mit den großen hunden vorbei, der 1 bellt gar nicht, während er am zaun hochspringt, die anderen beiden überschlagen sich fast, während die besitzer*innen hoch oben im grundstück irgendwas auspacken, was der dicke junge (sorry) geschenkt bekommen hat, die kucken nicht mal, was die köter (sorry) treiben.

während Sie sich für die wortwahl entschuldigen, denken Sie an den sympathischen olympiasilbermedaillengewinner hilbert, dessen emotionales interview nach 50 km gehen 1 der schönsten videos ist, die Sie in der letzten zeit gesehen haben, und wo er sich für die wortwahl vorab entschuldigt, als er auf die frage, ob er an diesen erfolg geglaubt hätte, sagt, „wenn mir das eine*r gesagt hätte, dem hätte ich 1 vogel gezeigt“. der kaschpar nickt. mit 3:51:44 h geht hilbert übrigens den km in etwas mehr als 4,5 min. das laufen wir nicht mal. 


schütteln Sie die schäferhunde ohne schafe ab + laufen Sie über 1 alte bahnstrecke zurück auf die eigentliche strecke, beeilen Sie sich jetzt, weil Sie doch wieder spät dran sind, auch wenn die strecke jetzt nicht zum laufen taugt + Sie ja schon die laufmontur gegen das sommerkleid getauscht haben, eilen Sie zum bahnhof, bad freienwalde empfängt Sie um 10:15 uhr, 3 minuten vor abfahrt des zuges. endlich mal wieder 1 lange strecke mit nicht so vielen stunden. keine quälerei, einfach nur etwas motivation, leichte hüftprobleme, aber kein kämpfen. der marathon rückt näher heran.

und jetzt können Sie sich im vollüberfüllten zug (der re 3 nach berlin wird noch schlimmer, da stehen die leute dicht gedrängt im eingangsbereich, anstatt sich nebeneinander zu setzen …) fragen, warum das so wichtig ist, diese laufkarriere mit diesem marathon zu beenden. v.a. nachdem Sie gelesen haben, Sie könnten es auf nächstes jahr schieben. wollen Sie aber nicht. Sie möchten nächstes jahr was anderes machen. kungsleden, alpenüberquerung, brandenburg extrem whatever. 

und dann denken Sie 1 letztes mal an olympia, das Sie ja gar nicht verfolgen, aber nach dem video mit hilbert noch das 20 km gehen der frauen ergebnis gesehen haben, wo die “medaillen-mitfavoritin” erica sena kurz vor dem ziel an position 3 liegend 1 zwei-minuten-strafe “kassierte”. und wie sie unter tränen diese zwei minuten auf die uhr sah, während acht teilnehmer*innen an ihr vorbeizogen. und die kameras abschalteten.

und wie sie dann weiterging. bis ins ziel.

(c) kaschpar