schramltours: brandenburg(havel)-klein-kreutz/brandenburg


brandenburg(havel)-klein-kreutz/brandenburg, 35,2 km, 6:13 std. zzgl. pausen + 1/2 std. gemütliches ausgehen zur nächsten bushaltestelle

diese highlights warten schon auf Sie:

  • wetterunbeständigkeit – was macht das mit Ihnen?
  • brandenburg an der havel nachts um kurz vor 4 uhr – anders wie gedacht und dann doch so
  • der lange weg um den beetzsee ohne see
  • sneak previews ohne view
  • abkürzung der wege über haupstraßen zahlt sich nicht aus bzw. Ihnen heim
  • pRachtgelände + vereinsmeier + grußfuß
  • brandenburger bushaltestellen

wohin sollen Sie sich wenden, wenn Sie wetterfühlig sind? der dauerregen in berlin+brandenburg öffnet Ihr ausgetrocknetes brandsandherz und schwemmt gleichzeitig die gedanken an 1 übernachtwanderung von dannen – darauf ist unter freiem himmel nun kein verlass – es soll ja nicht nur 1 qual werden! zum glück haben Sie 109 verschiedene touren in der navi-tasche, verschiedene an/abfahrtspunkte, streckenlängen, mit+ohne übernachtung, wald oder wasser – suchen Sie sich was anderes aus, wenn es also in der uckermark regnet und Sie keine lust darauf haben.

die ausgesuchte alternative strecke führt Sie im havelland um den beetzsee herum und 1 gutes stück weg über den storchenweg, 1 streckenlänge für 1 tag, passend für 1 halbnachtswanderung, d.h. Sie nehmen den zug um 2:34 uhr hbf – kleiner tipp: packen sie am abend vorher, dann müssen Sie nicht 1 stunde vor abgang aufstehen, sondern können es auf 25-30 minuten verkürzen. überhaupt ist das mitten-in-der-nacht-packen immer 1 gefährliche angelegenheit: achten Sie darauf, dass Sie den matcha-shot gleich zu sich nehmen und die ganze kiste outdoorstuff durchkramen, sonst vergessen Sie wieder was wie z.B. die lampe für die dunkelheit (sic!)

das sollte in der stadt natürlich kein problem sein, die sie für viele km erst 1x durchqueren müssen, bevor Sie in die landschaft hineinkommen, denn Sie erwarten hellerleuchtete gassen (+ viele betrunke menschen). beides finden Sie. die erste abzweigung über die brücke können nur Sie verpassen, zum glück sagt Ihnen die uhr immer nach ein paar metern bescheid. dafür laufen Sie nachher schön am wall entlang – trotz bewölktem himmel ist es gar nicht so dunkel wie ohne lampe befürchtet, und da Sie noch voll adrenalin von der herfahrt sind, können Sie die grölenden coronaparkgruppen mit 1 paar schnellen haken+sätzen umlaufen.

die stadt zieht sich eingermaßen in die länge, wird aber erst so richtig nervig, als Sie wissen, dass rechts neben Ihnen der see liegt, aber alles verbaut ist. zwar haben Sie 1 schöne radstraße für sich, weil kein auto unterwegs ist – überhaupt treffen Sie erstmal für stunden niemanden mehr, was immer schön ist, aber die vermaledeiten privatzugänge zum see nerven Sie so wie Sie selbst gerne 1 haus am see hätten.

derart ausgehungert versuchen Sie abweichend von der planung jede gelegenheit zu ergreifen, 1 glimps auf den see zu bekommen, den Sie zwischen den neubauten im sneak preview bereits erhaschen konnten und werden mit 1 kleinen morgenröte sowie 1 haufen mücken belohnt, dazu 2 zelten, die mit ihrem ganzen brandmüll das klischee festigen, es gäbe nichts schlimmeres als zelter*innen in der freien natur. zum glück kommt gleich danach 1 schön sauberes hotel, das all den wildcampern zeigt, wies sauber geht.

bleiben Sie dran, es zieht sich noch 1 weile bis zum richtigen seeblick, aber dafür haben Sie jetzt den sonnenaufgang vor augen, der schon viel weiter ist, als Sie sich das vorstellen können, nachdem Sie schon 4 stunden auf den beinen sind. genießen Sie den halbharten sand nach all den regenwettertagen + die leichte brise, die kühlend über die triefende haut weht, die sonne, wenn man sie scheinen lässt, ist heiß. schreiben Sie briese mit E wie brieselang+briesental+die briese.


seien Sie nicht traurig, dass Sie sich 1 runde um 1 see anders (unver-) vorgestellt haben, der storchenweg macht in radewege seinem namen alle ehre + das nest können Sie, selbst, wenn Sie den wegweisern nicht folgen, nicht verfehlen. (die kirche schon). es (das nest) ist, wie es sich gehört, gut besetzt. warten Sie kurz ab, ob sich die tiere bewegen, sonst sind es wieder nur atrappen! wenn sich der storch rührt, hat er als highlight an sich dem gesamten tourismus-zweck seinen dienst getan. ab jetzt können Sie sich zurücklegen + schauen, was der weg oder Ihr kopf Ihnen sonst noch bietet.

verpassen Sie ruhig jetzt die abzweigung richtung hasselberg, wo der wander/radweg entlangführt + laufen Sie mal ein paar hundert meter die hauptstraße entlang – es wird Sie schon mal einstimmen auf das, was dank Ihrer planung noch kommt.

bevor Sie den fehler machen + wie geplant die abbiegung um den beetzsee starten, freuen Sie sich über den kranichturm zur vögelbeobachtung + entdecken Sie 1 reh im kühlen wiesengrunde.

dann überqueren Sie den sträng + biegen auf die hauptstraße ein. übergehen Sie Ihre intuition, den wanderweg nicht zu verlassen, weil Sie keine lust auf umplanen haben – und weil alle alternativen nach norden keine sind, weil sie entweder zu lang für 1 strecke bis zur bahn und dazu ohne see bzw. see und dann noch 12 km oder genauso lang bis zum see mit bus, aber ungewissheit, ob der bus da dann fährt und die beste haltestelle nur rufbus wäre – und laufen Sie zurück gen brandenburg an der havel.

freuen Sie sich nicht zu früh über das feldstück, in das Sie kurz nach der hauptstraße einbiegen, es führt Sie über 1 bauernhof, aus dem Ihnen schon 1 traktorfahrer herauskutschierend zwar grüßend, aber doch misstrauisch begegnet. laufen Sie nicht mehr, achten Sie auf das schild, dass hier unbefugte nichts zu suchen haben und sich besucher*innen im büro melden sollen.

nehmen Sie die sonnenbrille ab, während Sie 1 arbeiter zurufen, ob Sie hier zurück zur straße kämen. treten Sie dabei in 1 guten mischung von sicherheit+stärke (zielstrebiges weitergehen, tattoo-show-off, interessierter blick rundherum) und naiver freundlichkeit der tourist*innen auf (schiefe kopfhaltung, augen zusammenzwicken, kontaktkompetentes lächeln). versuchen Sie die balance zu halten zwischen 1 person, die hier ganz natürlich durchkommt und derjenigen, die sich verlaufen hat.

versuchen Sie die innerliche diskrepanz zwischen den hart arbeitenden brandenburger*innen auf ihrem unbefugt-betreten-verboten hof und der sensationslustigen berliner freizeit joggerin irgendwie zu unterdrücken. Sie können zwar nicht wie in bayern auf Ihren dialekt zugreifen, der erstmal jedem kenntlich macht, dass Sie auch hierhergehören, auch wenn Sie grad falsch sind, aber verlassen Sie sich auf die jahrelange erfahrung in der fremde und den natürlichen instinkt, der Ihnen sagt, der traktorfahrer hat Sie ja quasi schon durchgewunken, und Sie wollen ja wirklich hier keine dokumentation über die verhältnisse drehen. machen Sie keine bilder!

lassen Sie sich von dem freundlichen mann den weg zeigen, wünschen Sie ihm 1 schönes wochenende, nehmen Sie das “viel spaß” aufmunternd entgegen. reflektieren Sie die situation lange genug, um 1 eigene geschichte dazu schreiben zu können – machen Sie, wenn es geht, aus nichts 1 problem. dann laufen Sie weiter. kriegen Sie bei der nächsten abbiegung nochmal 1 schreck, wenn Sie zelter*innen auf 1 pRachtgelände überraschen, beruhigen Sie sich dann wieder, weil trotz 8:17 uhr morgens noch alle schlafen. machen Sie bilder, aber zeigen Sie sie nicht.

versuchen Sie nicht auf dem jetzt schon wieder trockenen sand zu laufen, sondern gehen Sie 1 stück, genießen Sie den zeitweise schmalen grat zwischen beetzsee + anrainendem gewässer. der asphalt kommt früh genug wieder und führt Sie direkt über 1 letztes stück vereinsgelände hinunter zur havel. grüßen Sie nicht unnötig leute, die Sie nicht grüßen. baden Sie. nehmen Sie sich diesmal zeit, machen Sie ein paar yoga- oder qi gong-übungen am strand. essen Sie Ihre vesper in ruhe. gehen Sie erst, wenn 2 kajakfahrer*innen anlegen + Sie sich gestört fühlen.

erleben Sie 1 letzten schreckmoment, wenn das tor, durch das Sie zum strand über 1 weiteres vereinsgelände gekommen sind, von weitem nun geschlossen aussieht und Sie jederzeit den hund erwarten, der laut beschilderung herumlaufen soll (vergessen Sie dabei die vermerkten öffnungszeiten). öffnen Sie das tor + gehen Sie zum bus. gehen Sie, weil Sie noch zeit haben, max. 1 station weiter langsam den radweg entlang, hören Sie 1 podcast z.b. mit dr. drosten oder dr. spinner, oder zum faultier (“langsamkeit als überlebenstrick”).

fahren Sie mit dem bus zurück und kriegen Sie nicht mit, wie alle am neumarkt aussteigen, dass sogar der fahrer aufsteht – missverstehen Sie es als zeichen, dass die fahrt endet und merken Sie erst beim aussteigen, dass der bus zum bahnhof weiterfährt und Sie den zug verpassen. laufen Sie verwirrt mit der masse durch das nächste einkaufszentrum + desinfizieren Sie sich 2x die hände. gehen Sie zum bahnhof, kaufen Sie sich 1 frühstück, machen Sie es sich gemütlich + füttern Sie sich + die tauben (“tuppence a bag“). nehmen Sie den nächsten zug.

schreiben Sie über alles außer über ihren schmerzmittelkonsum, um das möglich zu machen, und wenn doch, erinnern Sie an die dazugehörige werbung für ältere menschen. rechtfertigen Sie sich nicht.

bleiben Sie in bewegung. aber sachte. sachte.

(c) kaschpar

kommen Sie wieder.