route 50+ (fjärde gangen – mer eller mindre)

Rennsteig

von hörschel an der werra nach blankenstein an der saale (169,3 km oder 181,2 km wie wir)

https://mein-rennsteig.de/prospekte/rennsteigkarte/#4

die vierte 50+ tour ist eigentlich keine. wir sind an keinem tag mehr als 39 km gelaufen, aber alles in allem 181,2 km in 5 tagen. damit liegen wir bei der rennsteig-tour zwischen extrem (4 etappen) und sportlich (6 etappen). auf keinen fall gehören wir zu den genießern (8 etappen).

geplant war, die größten strecken zu laufen und zwar die, die bergab gehen. aber wie immer lief alles anders.

(c) kaschpar. ausrüstung für 5 tage, verpflegung für 3, die ersten stöcke meines lebens. 1 35 l rucksack, 1 sommerkleid

etappe 1/5, von hörschel nach kleiner inselberg

08.08.2020, 37 km

https://www.komoot.de/tour/236807845#previewMap

hörschel ist nur mit der regionalbahn zu erreichen, also haben wir in eisenach übernachtet und noch 1 sonnenbrille gekauft, die wir perfekt gleich nach der reise wieder verloren haben. zumindest haben wir nicht das 200 € laufmodell genommen. der verlust ist groß genug. hat sich aber auf dem lauf ausgezahlt.

wie sichs gehört, gehts erst 1x streng hinauf. die erste mücke kommt Ihnen in die quere und Sie zücken das erste (und, wie Sie nicht wissen, das letzte mal) Ihr spray. der rennsteig empfiehlt sich für alle mückengegner, hier ist echt nichts los. die sonne steigt.

was Sie wissen, weil Sie den wetterbericht verfolgten und deshalb die nächsten tage noch früher aufstehen: es wird heiß, jeden tag über 30 grad. auch wenn die meisten strecken durch den wald gehen: Sie werden sich 1 sonnenbrand holen. creme hinoderher.

was Sie nicht wissen, weil Sie noch nie im sommer wandern waren, das machen ja nur die deppen, man geht im frühling oder herbst, weiß ja jede_r (machen Sie auch nur, wegen corona und all dem): wie erschöpft Sie um 13 uhr sind, wo Sie noch die hälfte der strecke vor sich haben, wegen all der hitze.

unzählige wartburgblicke aufm weg, so dass Sie sich schwören, Sie kommen zurück, weil hin kommen Sie ja jetzt nicht. derweil hat die hitze Sie schon durchnässt (ja, so ists) und Sie müssen das gwand wechseln.

mit dem neuen laufrucksack probieren Sie die ersten kleinen läufe bergab, es sind nur kleine auf+ab hügeleien, aber der große wanderer hinter Ihnen holt Sie bergauf immer ein. da stimmt doch was nicht.

die stöcke schwingen Sie frohgemut wie im lied durch die luft. die haben sich jetzt schon rentiert! wirklich 1 guter tipp: nicht nur bergauf können Sie sich damit selbst anschieben. erspart manches mal die mentale motivation.

langsam wirds voll. es sind verdächtig viele radler unterwegs, und nur manches mal kriegen die wander_innen 1 eigenen pfad durch den wald, meist teilen wir uns den immer breiter werdenden rennweg. es ist wochenende und Sie stellen fest: deutschlands urlauber sind in deutschland unterwegs, und zwar hier auf dem rennsteig. Sie machen wieder 1x dasselbe wie alle anderen auch. (sollten wir in 1 marketingunternehmen arbeiten?)

zu Ihrem größten schreck stellen Sie fest, dass das linke bein nicht so recht mitspielt. irgendwas stimmt nicht im oberschenkel, im knie, mit der sehne oder was auch immer. gehen geht noch, aber laufen ist schmerzhaft. es fällt Ihnen noch nicht so auf, weil noch geht es meistens hinauf oder geradeaus, bei der hitze ist Ihnen das laufen eh schon vergangen. also gehen Sie schön langsam so zu.

mit dem nächsten schrecken stellen Sie fest, dass 1 gutes stück fast jede_r etappe entlang von bundesstraßen führt. autofahrer_innen werden vor Ihnen gewarnt. jetzt würden Sie gerne laufen können, aber nun ist es schon zu spät. jetzt müssen Sie schauen, dass Sie voran kommen, der große inselberg tut sich vor Ihnen auf, da müssen Sie noch hinüber.

das knie gibt den geist auf. vor der wanderung haben Sie sich alle verpflegungsstationen herausgesucht, alle schutzhütten sind Ihnen bekannt, Sie haben alle unterkünfte gebucht, kennen jede wasserquelle – und auch die busstationen. nur dass keine busse fahren, haben Sie als großstädter_in verdrängt. aber Sie wären eingestiegen, wenn einer gekommen wäre in irgendeine richtung. Sie quälen sich jetzt, aber irgendwie gehört das plötzlich dazu, dass es nicht leicht werden würde. wieso auch.

Sie schaffen es auf den inselberg, nur leider sind Sie so fertig, dass Sie gar nicht mitkriegen, dass es auch 1 aussichtsturm gegeben hätte. Sie wollen nur noch hinunter zur unterkunft und stellen fest: jetzt käme der erste schöne steig, schön die klippen hinab steil richtung kleiner inselberg. und Sie können keine treppen mehr steigen, Sie müssen irgendwie hüpfen mit 1 bein + 2 stöcken. und wenn Sie das geschafft haben, haben Sie plötzlich das gefühl, das bein würde sich doch erholen …


fortsetzung folgt …