panorama lounge

was ist die panorama lounge und wo befindet sie sich?

trotz gegenteiliger meinungen und erfahrungen bin ich gestern gut durch winterdeutschland mit dem zug gekommen – ohne verspätungen, verpasste anschlüsse oder sonstige hindernisse. ich weiß auch nicht, wie das vor sich ging, aber wir sind irgendwie unter dem eisregen einfach durch.

zusammen mit sieben anderen passagieren bekam ich ohne besonderen grund und trotz spartickets zweiter klasse einen platz in der panorama lounge am vorderen ende des ices richtung süden. mit fabelhaftem blick auf den rücken des zugführers und mit ausblick auf die vor uns liegenden geleise. da bleibt nur zu sagen: wenn nur der nebel nicht gewesen wäre. ansonsten nothing to complain – was an sich schon komisch.
(an die frau vor mir, die dachte, weil sich das innenraumlicht bei zunehmender dämmerung an der an der glaswand zwischen zugführerbereich und passagierkabine spiegelte, der lokfahrer könne nun wie wir gar nichts mehr sehen: auch wenn ich nichts gesagt habe: ich weiß es besser: seine vorderscheibe ist geneigt und er kann im gegensatz zu uns trittbrettfahrern trotzdem nach draußen schauen).

neue erkenntnisse an diesem tag:

  • auch lokführer begrüßen sich gegenseitig, wenn sie sich auf den strecken begegnen per handgruß;
  • anstatt einen (klima)zugluftknopf zu drücken, lüftet der fahrer seine kabine selbst per hand mittels eines seitenfensters während der fahrt;
  • und: auch wenn eine automatisierte frauenstimme in rhythmischen abständen „störung, störung, störung“ meldet, hat das nichts zu bedeuten – selbst wenn sich der ruf stundenlang wiederholt und der abgelöste fahrer seinem kollegen irgendwas wegen der einen nicht funktionierenden bremse erzählt.

nach der fahrt ein gefühl des niemals unterwegs gewesen seins. das ist mobilität zwanzigxy. ich will nie wieder in überfüllten großraumabteilen im handybereich neben chipsessenden kopfhörervibrierenden mittzwanzigern mein leben auf der straße fristen: ich will immer nur und immer wieder in die panorama lounge. so und nicht anders muss erste klasse fahren sein.
(nur zeitungen gabs keine. aber wer vertieft sich schon in ein blatt papier, wenn er mit zweihundert sachen durch das nichts, neben dem die welt liegt, sausen kann.)

hinten anstellen

berlin hat endlich wieder ein neues musical –
wo wir schon so lange drauf gewartet haben!

man hat es gar nicht mehr kommen sehen und
plötzlich hoppla die hopp
ist es doch da.

und wie durch ein magisches wunderbunder kreist im kopfe eines jeden, der vor einem hinterm horizont plakat auf die ubahn wartet,
ein fettbäuchiger ohrwurm, sich langsam durchs gehirn windend,
alles verschlingend, was sonst noch hätte gerade eben als licht entstehen können,
und dafür großblasige dunkelheit hinter sich lassend.

hinterm horizont gehts weiter la la la la (originaltext).

nein, an sich ist das gar nicht so schlimm, nein.

schlimm ist, dass man jedes mal hinterher mit dem unguten gefühl dumm rumsteht, hinter diesem hintern stecke ein kluger kopf.

(geh raus, los, raus, geh raus, raus, herrschaft!)

nein nein

Nein, nein, sage er, Konrad, auf die Frage, ob er, der Baurat, Konrad in seiner Arbeit – tatsächlich soll der Baurat ‚in Ihrer Studie‘ gesagt haben – gestört habe. Nein, nein, sage er, und lügt. Die Lüge, denke er, Konrad, als das einzige Kontaktmittel zu beinah allen Menschen. … Aber immer werde er, Konrad, sage er zum Baurat, kaum setze er sich an den Schreibtisch, gestört. Und wie gesagt, sei es einmal der Bäcker, einmal der Rauchfangkehrer, einmal sei es Wieser, einmal Froh, einmal er, der Baurat, Höller sei es, seine Frau sei es, der Forstrat sei es, ein Geräusch sei es und so fort.

Thomas Bernhard, Das Kalkwerk

weihnachtszeug

gestern aus versehen in die gropius-passagen gefahren, um mit all den anderen sonntagsfahrern weihnachtseinkäufe zu erledigen.

leider nix gefunden außer

currywurst mit darm

beim wurschtstand. ein echtes mitbringsel für nur einen euro.

trotzdem schlechte preispolitik: bei ikea gibts dafür einen hotdog + ein getränk 0,33 l zum selber (ein-/aus-)schenken (beim nachfüllen nicht erwischen lassen).

morgen mal nachrechnen, wie viel würschte man aus einer sau wohl rauspressen muss, damit sich das finanziell für irgendwen lohnt.

übermorgen online-schoppen.

die welt und

„Man muss die Welt sehen können und zu ihr hingehn.“

Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz