schramltours: baruth (mark) – glashütte – klasdorf

baruth (mark) – glashütte – klasdorf, 25,6 km

mit frauenberg, kiesgrube, buschgraben, museumsdorf glashütte, drehfunkfeuer klasdorf

was bleibt:

  • der wecker um 3:47 uhr, fast 4 stunden vor sonnenaufgang, wegen 2 std. anfahrt + 1 std. vorbereitung, weil wir gestern wieder nichts gepackt haben (!)
  • die unterhaltung des schaffners auf dem bahnsteig mit dem sich aus dem zugfenster lehnenden lokführer, die eigenartig ins stocken bis einhalten gerät, als ich herankomme + grüße, damit es weitergehen kann
  • der schreck im moment, als die bahn losfährt + auf der anzeige potsdamer platz erscheint, was nicht sein kann, weil man von lichtenberg aus mehr als 1 minute bis mitte braucht, was uns aber nicht schlagartig klar wird, sondern nur langsam dämmert, während wir den zurückbleibenden zug am bahnhof richtung senftenberg + unseren richtung elsterwerda googeln + überprüfen, bis wir feststellen, die anzeige ist falsch
  • die scham, im falschen zug zu sitzen, nachdem wir gerade so selbstsicher gegrüßt haben + eingestiegen sind – wir wissen nicht, was zuerst kam: der schreck oder die scham
  • nachdenken über den den nagel im wachstum, der sich unbemerkt tag für tag über die nagelhaut schiebt, aber wehe, wir reißen ihn ein! der trennungsschmerz verwachsener verbundenheit
  • die dunkelheit um halb 7 morgens + die grandiose dämmerung im rücken, die nur mit langzeitbelichtung überhell aufs bild kommt
  • wovon wir alles keine ahnung haben: fotografie, baumkunde, vogelarten, pilze + was wir alles im herbst jetzt gut gebrauchen könnten
  • nebel ist überall schön
  • der frauenberg wie 1 flache brust im glatten land
  • die rauchenden schlöte im nebel
  • das nasse hohe gras zum flöten
  • die wasserundichten schuhe + die wechselschuhe daheim vergessen
  • der viel zu warme oktober wenigstens kühl am morgen
  • die vermutlich geklauten beschläge auf den grabplatten oben am frauenberg
  • die serpentinen auf der anderen seite hinunter am berg, die tiefer liegt, als die, von der ich kam + der perspektivwechsel: die höhe, aus der ich kam
  • ich trau den stufen nicht, den schritten schon
  • dass kleist den michael kohlhaas die pferde wieder hat herrichten lassen auch als wertschätzung des individuums + seiner individualität + gegen die austauschbarkeit der objekte
  • die kies+sandgruben rund um baruth + die vergessenen platten aus vergangener zeit – 1 denkmal ist nur 1, wenn 1 schild seinen sinn erklärt, sonst ist es ruinierte + nicht wiederhergestellte landschaft
  • das knacken gefallener eicheln beim darüber hinweggehen + die frage, ob wir alle, wenn wir keine saat gesät, um den weizen zu ernten, nun wie das wild eicheln+kastanien klauben würden
  • die langen fahrradwege gut zum laufen
  • der mann mit dem hund, der vom wege was sammelt + der fahrradfahrer, der uns auf der straße überholt + dann zurück auf den radweg kommt
  • der hinweis des herstellers des dattelriegels, den wir unterwegs u.a. verzehren, dass das enthaltene kalium “zu einer normalen funktion des nervensystems sowie zur aufrechterhaltung eines normalen blutdrucks” beitrage
  • der naturlehrpfad glashütte, wo wir alle schilder zur baumkunde fotografieren, aber wieder nicht lesen + dass die natur in ihrem detail in unserer priorität immer wieder nach hinten rutscht
  • die fledermauskammer, in der wir nichts sehen, aber wir können ja auch nicht mit der taschenlampe reinleuchten
  • der begriff georformationen in kombination mit rätselhaft, interessant, spektalulär
  • die krasse bosendorfer eiche mehr als 1/2 jahrtausend, innen komplett ausgehöhlt + irgendwoher zieht sie immer noch wasser, um im frühjahr an 1 verbliebenen ast frisch auszutreiben – das blattwerk noch fast vollständig grün
  • die freude beim nassen buschgraben, dass es sich intuitiv besser gehen lässt
  • der letzte lauf bis zum umzug auf dem glatten weg + die zunehmenden sonntagsausflügler*innen, wo wir dazugehören
  • die eiszeitlichen hügellandschaften unter wald versteckt
  • das museumsdorf glashütte mit museum, restaurants, handwerk, geschäften + möglichkeiten zum glasblasen + die notwendigkeit des einkaufs in kleinen läden, um das leben zu erhalten
  • der volle korb schokolade, den wir erst zu hause anrühren
  • das drehfunkfeuer, das wir erstmal googeln ecosian müssen
  • am bahnhof wieder die rollenden züge voller runder gascontainer + das verdrängen der erzählungen über die wasser+lebensmittelvorräte in den kellern der großstädter*innen
  • der slogan “Berlin packt das! Gemeinsam durch die Energiekrise” des berliner senats, als wäre die frage zum umgang mit ressourcen, die man aufbraucht, etwas, was vorrübergeht
  • der winkende junge in der sbahn, die unsere sbahn langsam überholt + wir reagieren nicht, obwohl es uns naheliegt: ich bin das auge des kindes

mit was beschäftigt sich der zugvogel den winter über, wenn er wegen klimawandelwärme nicht mehr in die ferne fliegt?