schramltours: neubrandenburg – neustrelitz

schramltours: neubrandenburg – neustrelitz, 37,8 km

mit tollensesee, brodaer holz, hügelgrab wustrow, rosenholz und zippelower bachtal, hohenzieritzer schloss, krebssee, langer see, glambecker see

was bleibt:

  • der dank ans 9 € ticket, ohne das wir kaum diese strecke uns rausgesucht hätten heute
  • der bus um 23:23 uhr
  • das flackernde licht der leuchtreklame beim balkangrill + die 19% balkangenetik, die keine zugehörigkeit auslösen wollen, sondern das gegenteil
  • der brand bei treuenbrietzen + all die detonationen alter munition
  • die waldbrandgefahr aktuell + das kleine stück in mecklenburg-vorpommern zwischen neubrandenburg+neustrelitz, das wir uns für die route erkiesen, das davon ausgenommen ist, wie wir erleichtert feststellen
  • die frage, warum wir mitten in der nacht losfahren, um im dunkeln zu wandern – nur 2-3 stunden, aber eingedenk vieler gefühle bisheriger male – nur nicht nachlassen
  • die betrunkenen jugendlichen in der bahn, die nach den vorangegangenen fahrtausfällen die letzte ist, die heute noch fährt:
    – sie werfen gummibärchen + ermahnen sich gegenseitig: “mit essen spielt man nicht”
    – eine*r hat 1 box kundeninformation der db von irgendwoher organisiert: “ne bitte nicht, ich will jetzt nicht angeschissen werden”
    – sie kennen sich nicht: “wo wohnst du?”
    – sie sind laut + ich bin “die schlafende frau”
    – sie waren aufm rummel: “das war voll lahm, mir wurde zwar bisschen schwindlig, abers war voll lahm”
    – die jungs verabschieden die mädchen an der tür + reden dann über sie: “manche suchen ja richtig danach, ich hab nicht gesucht und dann ist es einfach passiert – wir haben uns ja nicht nur gerade abgeleckt, sondern vorher – alter” – “ja, ich weiß”
  • ich kann verstehen, dass niemand fahrscheine kontrolliert um 0 uhr nachts
  • das zweifache + schließlich einfache piepen im zug “wir müssen was kontrollieren” (jetzt bitte nicht um 1 uhr nachts raus aufn bahnsteig + auf ersatzverkehr warten wie damals in erkner, was wir nur auf facebook veröffentlichten “wenn Sie mal was erleben wollen”, worauf wir keinen zugriff mehr, weil wir alle social media kanäle außer dem blog gelöscht haben), das der schaffner nicht ausgestellt kriegt “ich hab schon draufgedrückt” + der zugführer ihm helfen muss: “musst du bisschen festhalten”, der ruf an die raucher aufm bahnsteig “jetzts gehts weiter” + die ansage danach: “bitte beachten Sie: das rauchen ist in den zügen natürlich nicht gestattet und wird in den toiletten auch mit rauchmeldern überwacht”
  • ich bin wieder wach
  • das gefühl mit 44 jahren um 2 uhr in neustrelitz am tollensesee entlang, wo die kids feiern + baden, besser als in nauen vor 2-3 jahren um kurz vor vier, als all die betrunkenen jugendlichen auf der straße mir folgten – es hat sich was verändert
  • all die geräusche des nachts, die wir verstärkt wahrnehmen, wenn wir die lampe nicht einschalten, weil sich der weg noch durch den superhalbmond abzeichnet + die erinnerung an den moonlit path von andy goldsworthy, den wir gerne gesehen hätten:
    – das lachen + plätschern der leute am see
    – das knirschen des weges unter den schuhen
    – das gedämpfte rascheln des grasstreifens daneben
    – das zwitschern der vögel bis hin zum urwaldschrei hoch oben in den wipfeln
    – das quaken der frösche am ufer
    – das schnaufen+schnüffeln im unterholz
  • der dunkler+kühler werdende weg + das einschalten der lampe + dimmen bis zur funzel
  • die mücken+motten im lichtschein auf augenhöhe
  • das kaputte ersatzlicht im rucksack
  • das riesige private grundstück am see, das wir trotz warnschild betreten, weil der umweg sonst zu groß wäre (verzeihung!) + die angst, dass uns jemand erwischt + die hoffnung, 4 uhr wäre zu früh für 1 immobilienbesitzer*in (wenn auch nicht für 1 schäferhund oder wachSpersonal)
  • das loch im zaun, das wir wie mit 1 spürnase für löcher lücken + leerstellen auf anhieb finden
  • das reh aufm feld neben dem schild mit der frage, wer auf der wiese lebe
  • der naturlehrpfad, an dem uns die natur ungewohnt nahe bis zur nase kommt + wir den stock vermissen, der uns den weg bahnen könnte
  • die kletterschnecken an den grashalmen auf augenhöhe
  • die mücken trotz(en dem) spray
  • das frühstück um 5 beim sonnenaufgang im rücken am see ohne löffel
  • der sonnenaufgang (für uns) überm hügelgrab
  • der lange weg durch den wunderschönen wald mit all den mücken am forsthaus vorbei + laufen geht gut nach all dem gehen + wenn man 1 ziel hat
  • der angler am krebssee, in den man springen wollte, um zeit zu sparen + das verfransen im wald
  • der moment, wo wir die bahntrasse sehen + merken, schnell über die gleise hüpfen, wie wir beim blick auf die karte dachten, scheint hier wirklich mal nicht möglich
  • der menschenleere badestrand am langen see + was für 1 glück, dass der angler da vorhin war
  • das eiskalte wasser im see + das vergessen haben des erfrischenden eintauchens in die kühle nach 1 langem marsch/run + die große seehnsucht auf höhe der brust
  • der kurze moment, wo wir dran denken, es könnte was nicht in ordnung sein hier, wenn keine*r da ist, + dass wir wieder nicht gelesen haben, was auf dem schild stand
  • der bericht über die anstehenden badeunfälle in den sommermonaten + die gefahr bei zu großer überhitzung in die noch zu kühlen gewässer zu steigen + über krämpfe + fehlende kraft
  • das schnelle umziehen + weiter zum bahnhof, dabei könnten wir auch
  • ich könnte auch
  • all die lachfalten im augenwinkel
  • die lange hauptstraße + das abkürzen ohne fahrradweg + der cheep neben uns
  • der menschenleere glambecker see samt kinderspielplatz – was ist nur los hier?
  • das gymnasium, das wir für 1 schloss halten + die erinnerung an fürstenberg/havel neuruppin brandenburg/havel rathenow rheinsberg, wos ebenso aussieht rund um den see
  • das abpassen des zuges auf die minute + die hängematte im rucksack
  • die bahnhöfe nachts, die man tagsüber nicht wiedererkennt, obwohl man schoEn 3x da war
  • die zu lange strecke + das ineinanderfließen der orte + samt aufblitzen von erinnerungen, die wir vereinzelt doch zuordnen können + der text von schmitz zu gedächtnis+erinnerung + emanzipierung des ichs + des dieses + die frage, wohin uns das führt
  • die schuhe problemlos auch für den gehmarathon + die frage, ob wir auch mehr als 3 std. nachts gehen wollen würden
  • der ersatzverkehrbusfahrer + all die anderen, die eine*n nicht anschauen beim einsteigen+grüßen, weil sies nicht erwarten + der tag schon zu lang+heiß war
  • der brandgeruch, der duchs sbahnfenster strömt + der gedanke an das zentrum berlin, wenn brandenburg brennt
  • all die explodierenden altlasten, die man nicht weggeräumt, als es noch zeit

ich muss mich aussetzen + feststellen, dass nichts passiert