schramltours – heidschnuckenweg teil 1 – etappe 1

im herbst in die heide!

was sollen Sie sagen? sind Sie 1 imposter? da schreiben Sie schwedische, französische + andere fremdworte in Ihre lyrik + können doch eigentlich gar nicht wirklich diese sprachen. da jammern Sie über Ihre haudige hüfte +Ihr knirschendes knie, dann planen Sie doch wieder 1 tour, nur weil Sie nicht still daheim sitzen können. vielleicht haben Sie auch nur wieder fomo wie früher, als Sie immer am wochende in den club die disco mussten vor lauter angst, es könnte dieses mal das geschehen, worauf Sie immer gewartet haben. wenn Sie damals gewusst hätten, dass der momemt nie eintritt + Sie heute da hocken + nicht wissen + sich wundern, was es denn überhaupt sein könnte, worauf man wartet, hätten Sie die abende vielleicht doch lieber anders verbracht. oder auch nicht, siehe jetzt.

zumindest haben Sie das knie geschont, waren schwimmen+radfahren, brav wie die m. sagt. jetzt können Sie eigentlich auch wieder probieren, wies geht. um zu wissen wie weit man kommt, muss man sich trauen los zu gehen.

seit jahren haben Sie den heidschnuckenweg aufm speicher, weil Sie im runnersmagazin so 1 wunderschönes bild vom violetten heidekraut auf beigen sandbänken im untergehenden sonnenlicht sahen. nun ist 1 gute zeit dafür, es ist der optimale weg: mit seinem sand lädt er nicht zum laufen ein + mit den geringen steigungen überanstrengen Sie sich nicht, d.h. das knie kann weiter durch die schiene stabilisiert statt überanstrengt werden + die laufpause fällt ins tapering vorm marathon.

Sie haben sich in 4 tagen die hälfte des weges vorgenommen. damit sollte noch genug erholung wieder am ende von diesen strapazen erlebnissen sein. das packen sind Sie ja gewöhnt, das geht ruckzuck.

etappe 1. hamburg-fischbek – buchholz in der nordheide

hamburg-fischbek – buchholz in der nordheide, 27,2 km

anreise gut, alles gut. Sie lassen sich ungewöhnlich viel zeit am hamburger bahnhof + stellen sich beim bäcker in die schlange: das muss sich lohnen dort oders gibt nichts anderes. obwohl Sie Ihr müsli in der hand haben + nur 1 kaffee + 1 breze für später wollen, kommen Sie – zuckerfasten hinoderher – nicht an der brioche vorbei. das müsli schlingen Sie noch in der sbahn hinunter, wenn fast niemand mehr drin ist, kaffee+brioche aber tragen Sie anständig wartend bis zur 1. bank aufm weg 1 km weiter. der busfahrer lässt Sie auch ohne einscannen einsteigen, weils nicht gehen würde. gut, weil Sie haben die hände ja voll.

der premium qualitätswanderweg fängt so an wie aufm bild, das Sie in erinnerung haben, + obwohl der himmel bedeckt statt leicht bewölkt ist + die heide nicht leuchtet, freuen Sie sich bereits über diese gute entscheidung. seit der planung vor 3 tagen sind Sie ganz ruhig. obs der respekt vorm weg oder die angst vorm knie ist, klar ist: Sie wollen sich vom marathon, den Sie eh nur mit äußerster not schaffen könnten, nicht den urlaub nehmen lassen. man soll sich doch bewegen, statt ruhen, wenns weh tut, nicht wahr. wozu sonst all die triggerpunktknetereien+blackrollmassagen? die schmerzskala geht bekanntlich bis 10, das kann man doch ausreizen.

nur hätten Sie vor abreise nicht mehr das naturkapitel im resonanzrosabuch lesen dürfen, Ihre ehrfurcht hat 1 knick bekommen, als Sie das gefühl hatten, mit den „romantisierten und idealisierten Momenten des passiven, pathischen Berührtwerdens“ direkt angesprochen worden zu sein. Sie wollen doch aber die richtige resonanz, die anverwandlung, die transformation – + ja, 1 übertragung in lyrik ist auch nur be- bis ausnutzung der schönen natur. verwerfen Sie den kurzen anflug 1 bedürfnisses, sich in die erde zu graben – sie werden genug kontakt in den nächsten tagen haben.

das resonanzthema wird Sie die wanderung über auch nicht loslassen. 3 tage lang werden Sie über das ungute gefühl, das Sie beim lesen bekamen, ruminieren. weil Sie wissen, rosa hat recht – auch Ihre wege sind nichts anderes als naturabzapfungen, die nichts zurückgeben außer der angst, es könnte Ihnen genommen werden. aber Sie sind entsetzt (schock). Sie fühlen sich angegriffen in Ihrem existenzmodus, der Ihr einzig möglicher überlebensmodus (momentan?) ist. Sie wissen es + Sie werfen es sich selber vor, aber Sie möchten nicht, dass jemand anders es Ihnen sagt. nun denn, kauen Sie 3 tage darauf herum. vielleicht haben Sie am 4. tag 1 weltbewegende erkenntnis.

kurzzusammenfassung tag 1 resonanzruminierung: Sie sind teil des problems, wollen es aber nicht anerkennen (verneinung). Sie suchen gründe, warum Sie gerade anders sind. weil Sie keine antwort/lösung finden, werden Sie ärgerlich (wut). Sie machen zu + hören podcasts. 
auch das ist keine gute idee nach Ihrer stundenreduzierung, denn anscheinend könnte "zu viel freizeit […] ähnlich nachteilig sein wie zu wenig freizeit". das optimale zeitfenster für freie zeit liege täglich zwischen 1,5-5 std. nun, das ist ja 1 individuelle sache. am besten schalten Sie auch die podcasts aus. lyssna på tystnad1.

Sie kehren zu Ihren ruminierenden gedanken zurück + kommen bei den 1. hügelauf+ab-gelegenheiten in Ihre tålmodiga2 ungenießbare form. filmen Sie 1 schnecke, das holt Sie zurück. irgendwann kommt sogar kurz die sonne raus + Sie können die sunglasses aufsetzen. 25 m später nehmen Sie sie wieder ab – aber hey! naschen essen Sie wilde brombeeren. + fragen Sie sich, wie weit man die geNzüchtet veredelt haben muss, um sie auf die doppelte größe im supermarkt zu bekommen.

genießen Sie den buchenwald im rosengarten. denken sie kurz an die silkebuche zurück, die vor kurzem gefallen ist, und werden Sie melancholisch. singen Sie 1 selbstgedichtetes bayerisches lied („wou wüst nou hie moidl? lafst allawai fuat …“). stellen Sie beim abhören 1 anderen aufnahme fest, dass Sie sich auf hochdeutsch anhören, als würden Sie 1 fremdsprache sprechen. sprechen Sie schwedisch mit sich selbst zur übung. singen Sie dann wieder alle anderen wander*innenklassiker.

machen Sie 1 pause auf 1 nichtaussichtsbank + lassen Sie sich von den ersten wander*innen überholen. kriegen Sie gute laune bis zur autobahn, wo Sie um den steinbruch herum müssen, lachen Sie über den qualitätsweg bei der 1. gelegenheit, schämen Sie sich. achten Sie nicht auf die vielen hunde, die machen nur ihren job.

folgen Sie unauffällig 2 wander*innen, die Ihnen seit stunden auf den füßen fersen waren + Sie nun überholt haben, aber ständig stehen bleiben, um fotos zu machen. finden Sie die tour spätestens bei steinbeck (bei buchholz in der nähe in der nordheide) fast zu lang für den 1. tag, obwohl ja noch 3 tage kommen sollen mit mind. 2 längeren etappen. schaffen Sie es trotzdem relativ gut für Ihren aktuellen zustand. die ibu haben Sie ja vergessen zu nehmen!

die stadt ist so, dass Sie frühmorgens, wenn keine*r da ist, durchlaufen möchten, wie meistens. trist trüb + traurig. oder ist das Ihr gemüt, das sich auf die backsteine legt, die dunkelroStbraun wie getrocknetes blut unterm bewölkten himmel die gassen verdüstern?

steigen Sie in 1 heruntergekommenen 4*hotel im dachgeschoss ab wie joseph roth im savoy. fangen Sie das rieseninsekt im zimmer + lassen es frei. denken Sie nicht daran, dass Sie das hotelpersonal bei diesem schuppen holen lassen könnten. Sie können es nicht. essen Sie falLaffel. ruhen Sie aus. danken Sie Ihren gelenken, dass sie Sie noch (er)tragen. Sie spüren sich wieder, das gefühl ist nicht der hit, aber erträglich okay. das ist Ihr leben. immer noch. Ihrs ganz allein.

jag är ensam men det betyder inte att jag är avskild. jag är ifred.


1 höre auf die stille
2 geduldig


lesen Sie bald die nächste etappe: wie Sie beim einpflegen der gpx-daten merken, dass Sie entgegen aller meinungen doch schon in der heide waren + zwar genau da …