schramltours – frankfurt(oder) – eisenhüttenstadt

sprechen Sie nicht über Ihren zyklus. aus erfahrung sind menschen, wenn sie nicht gerade selbst damit zu tun haben, schockiert + lachen hysterisch. erzählen Sie lieber von Ihrer wand der schönen dinge, wo Sie wieder ein paar neue klebchen+kärtchen von dingen anbringen konnten, die Sie gemacht oder geschenkt bekommen haben, und wie Sie beim absteigen das bankende verfehlt + mit Ihrem schienbein zurechtgerückt haben.

obwohl die bank aus bambus sein soll, gab Ihre haut nach. natürlich schmierten Sie gleich wundsalbe drauf, aber der immerpräsente rat der mutter “reibenreiben” erschien Ihnen bei schürfwunden unangebracht. Sie drückten feste drauf mit 1 hygieneartikel, abers hatte keinen effekt. denken Sie erst tage später beim aufschreiben daran, dass Sie dasoderden kühlpack hätten nutzen können, dasoderder sonst immer untätig im kühlschrank herumliegt, seit Sie in 1 der zahlreichen podcasts gehört haben, dass die kühlung die wundheilung störe aufgrund der herabgesetzten blutgefäßdurchströmungsgeschwindigkeit. oder so (hier wird es auch erklärt, dass das kein PECH sein muss).

jetzt ist es zu spät und Sie müssen mit 1 blau angeschwollenen schienbein laufen. denken Sie bei der gelegenheit an den fahrradsturz vor 1 jahr, als Sie 1 tag vor 1 ärztlichen untersuchung abends erschöpft im regen mit nasser brille übern bordstein stolperten holperten, weshalb Sie heute diese muskulöse dysbalance haben, für deren erkennung Sie nicht mal die übungen der marathonapp brauchen.

frankfurt (oder) – eisenhüttenstadt geplant 36 km, durch umweg über kiesgrube + hin+rückweg für kaffee 40,9 bzw. 41,3 km, 6:09 std. zzgl. foto+wechsel+einkaufpausen

diese nacht hätte auch für 1 draußenübernachtung getaugt, so warm ists, als Sie gegen 2 uhr zur ubahn gehen. außer Ihnen nur betrunkene + mädchen, die sich fürchten allein heimzugehen + sich beim abschied anrufen, um sich für den rest des weges etwas sicherer zu fühlen, unterwegs. was machen Sie hier? Sie haben für das marathontraining ärztlichen segen rat eingeholt + sind nun sicher, dass Sie das durchziehen können. sollte der nerv halten natürlich + auch sonst keine weitern blessuren oder krämpfe entstehen.

Sie sind zeitig dran und werden um 3:48 uhr in frankfurt oder sein, wo Sie neulich noch dachten, wer will schon 2 std. vor sonnenaufgang in f/o aussteigen, aber jetzt ist es ja warm und die ersten 1-2 stunden gehts die hauptstraße entlang. das perfekte straßenmarathontraining orientiert sich an 1 fahrradstrecke. 

entschuldigung an dieser stelle an den bahnmitarbeitenden, der kurz darauf durchs abteil ging + kissen aufhob, während Sie damit beschäftigt waren, Ihr ticket in der app herauszukramen, was er gar nicht sehen wollte – Sie hätten sonst geholfen + nicht einfach wie 1 touri 1 bild der verwüstung gemacht. aber done is done. nächstes mal, versprochen!

die nacht ist ungewöhnlich dunkel, zum glück gibts beleuchtung + auch Sie haben die neue LED dabei, die doch besser ist als gedacht. leider verdüstert die wolkendecke jeden stern, den Sie hinter der stadtgrenze gewahren könnten – es soll doch perseiden regnen wie immer im august. aber alles was Sie sehen, ist das verschwommene glühen der städte am horizont.

zum glück ists warm + ruhig. die auf der karte als große frankfurter allee wahrgenommene bundesstraße ist 1 beschauliches grenzsträßchen, das sich kurz hinterm stadtkern die lossower berge hinaufwindet – zum glück haben Sie die verlängerung über den eichenwald ausgelassen – dafür dürfen Sie jetzt der fahrbahnmarkierung folgen. sollten Sie übrigens wieder mal fahrradstrecke planen, denken Sie vorher dran, dass diese oft über hauptstraßen ohne fahrradweg führt. dumm für Sie ist nur, wenns links+rechts nur ab/oder/steil/hänge oder leitplanken gibt.

schalten Sie mal die musik aus, damit Sie hören, wenn was käme. schalten Sie mal die lampe aus. stock+zappenduster nennt man das. überlegen Sie kurz, sich im dunkeln zu verstecken, falls 1 auto kommt. dann vergessen Sies, weils kein versteckt gibt im scheinwerferlicht. kommt zum glück nichts. auch diesen berg werden Sie schaffen mit seiner beängstigenden 6% steigung. bleiben Sie ruhig + fallen Sie nicht aus Ihrer rolle. fragen Sie sich unter keinen umständen, was Sie hier tun + wo Sie eigentlich zuhause sind. Sie können keinen wirklichkeitscrash mit entfremdungsentsetzen gebrauchen. weichen Sie 2 jugendlichen aus, die um 4 uhr hier mindestens so viel verloren haben wie Sie.

nehmen Sie lossow im laufschritt – es ist immer unangenehm vor tagesanbruch bei jemandem daheim vorbeizulaufen. hinter lossow kommen Sie auf die alte hauptstraße, die wie 1 fahrradweg am biogasmais entlangführt, worüber die dämmerung bricht. stecken Sie die lampe weg. erschrecken Sie nicht über die heranrasenden lichter, es ist die neue bundesstraße neben Ihnen. aber schauen Sie auf, weil kurz vor brieskow-finkenheerd 1 auto an Ihnen vorbei will, während Sie die mitte der straße wie die letzte person auf erden blockieren.

brieskow-findenheerd. wieder so 1 verschandeltes dorf mit wegweisern zur kostenlosen kirmes – fällt auch nur den berliner*innen ein, für nen rummel eintritt zu verlangen. am ende des dorfes 1 hund, der Sie meilenweit riecht + nach bellstärke als akute gefahrenstelle wahrnimmt.

endlich biegen Sie ab + laufen in die entgegengesetzte richtung. ? vergewissern Sie sich nochmal auf der karte, dass Sie hier keinen scheiß geplant haben, und finden Sie raus, warum der weg hier die biegung macht, nämlich um aufn damm zu kommen. aha!

Sie kommen pünktlich zum sonnenaufgang an die o!der. aber der start in den tag hält sich noch immer bedeckt. 1 gutes zeichen für den lauf, Sie leiden ja unter der sonne, die Sie suchen.

machen Sie bei der gelegenheit videoversuche für 1 neue aidshilfekampagne, bei der Sie mitmachen möchten. finden Sie alle schrecklich und am ende 1 grund nicht teilzunehmen bzw. 1, den Sie bei den organistor*innen als fragwürdigen kritikpunkt einbringen könnten, die kolleg*innen werden sich bestimmt bedanken, wenn Sie Ihre bedenken herumtragen + geradewegs vorm nachbar*innenbüro abstellen zur überprüfung.

zumindest kosten Sie dafür den mückenschwarm aus + kommen ganz zerstochen weiter. leider haben Sie das mückengel zuhause gelassen in der hoffnung, aufm oderradweg brauche man das nicht, zumindest bilden Sie sichs in der erinnerung so ein, Sie waren ja schon 2x wenn auch weiter oben hier unterwegs.

ab nun laufen Sie sich satt. am sonnenaufgang. an der o!der. am deich. the blues+greens. machen Sie nur noch wenige viele bilder + wenn dann mit dem weitwinkelmodus, die Sie zum größten teil wieder löschen müssen, weil heut gings wieder nicht (trotz linsentuchs) verwenden können. schalten Sie auf persönlichen automodus + spulen Sie das marathonprogramm ab. machen Sie weniger worte. reden Sie nicht dauernd in der öffenltichkeit über alle Ihre privaten dinge. denken Sie nicht über die nächsten wochen nach. lassen Sie alles auf sich zukommen.

grüßen Sie alle radfahrer*innen, es sind kaum welche. schnurren Sie in Ihrer erzählung die 20 km + mehr am+aufm deich auf 1-2 absätze zusammen, die stunden gehören Ihnen. ärgern Sie sich zwischendurch über Ihre hightechkopfhörer, die nicht so wollen wie Sie. gerade jetzt, wo Sie sich nach langem überlegen doch in die tiktok+youtubehits hineingekauft haben, die seit monaten/jahren herumgeistern – Sie sind zwar kein bestsellerleser*in, aber _hörer*in anscheindend doch.

sehen Sie Ihre badeträume am ende vom obligatorischen schweinepestzaun endgültig getrennt. wenn die schweine über die o!der kommen – wie kommen sie/Sie dann da hin? die planstadt eisenhüttenstadt empfängt Sie mit dem marathongefühl. das ende ist in sicht, aber doch noch ewig weit weg. bis 33,5 km schaffen Sies. dann haben Sie genug. gelaufen. gehen Sie.

Sie fragen (?!?!) 1 frau nach 1 badegelegenheit bzw. “wo man hier ins wasser gehen kann” (!?!), wo überall alles abgesperrt ist. Sie sieht Sie an, als ob Sie von sonstwo herkämen (berlin) + verweist auf die kiesgruben, wo aber wohl auch zäune ständen. Sie winken ab, weil “kann man nichts machen, ist halt gerade so”. und gehen verschwitzt richtung bahnhof. wie lange dauerts, bis Sie doch auf die karte schauen? und merken, so weit sind Sie gar nicht von der grube entfernt. und es ist ja noch früh. könnten Sie doch mal kucken. und überhaupt kann man über schmale pfade drüber auf die hauptstraße und von dort auch aus zum bahnhof. machen Sie mal.

Sie finden die gruben + 1 weg + nach vielem suchen zwischen veralgten+vergrützten zugängen auch 1 frei mulde, wo Sie eintauchen können ins angelgewässer, während links+rechts überall die angler*innen seit stunden ihre ruten ausgworfen haben – 1 familie sitzt schon beim frühstück. alle grüßen, weil sie sind daheim hier. und Sie? Sie grüßen zurück. Sie sind gast auf fremdem land. Sie trauen sich auch gar nicht weit rausschwimmen, Sie haben zwar kein schild gesehen, dass baden verboten wäre, aber eben angelgewässer – und ja, Sie trauen sich reinsteigen – wenn die ihre fische da rausholen + mampfen, können Sie sich da auch waschen. die nacktschnecken baden hier auch. kaufen Sie daheim sushi, obwohl Sie vegetarisch sind + das wort pescetarier*in hassen.

essen Sie gemütlich Ihr frühstück, 1 aufsichtsmann mit hund winkt Ihnen zu, er würde das schweinepesttor schon schließen. (weil Sie anscheinend mit Ihrem nasswäschebeutel + essensbeutel + handy + rucksack + banane in der hand nicht genau wissen, wie Sie das noch bewerkstelligen sollen bei dem verbogenen verschluss.) schauen Sie frühestens in 5-10 min. auf die app, wann der zug fährt, bis dahin bummeln vertrödeln Sie Ihre zeit. es wird Ihnen gleich leid tun, wenn Sie feststellen, dass der zug in 15 min. fährt.

werfen Sie Ihre beutel ineinander, klemmen Sie sie unter, schnüren Sie den rucksack halb zu, laufen Sie los, kaufen Sie einhändig das ticket über die app, Sie wissen, dass es zu knapp wird, aber Sie können nicht anders, Sie müssen es versuchen. hören Sie nicht auf den autofahrenden pöbel, der Ihnen “schneller schneller” zuruft im vorbeifahren, keine*r hält an + nimmt Sie mit. Sie strecken auch keinen daumen hinaus, meine*r liebe*r!

eihü begrüßt Sie mit ruinen, wie Sies erwartet haben – vor 20 jahren kannten Sie mal 1 person hier, vielleicht waren Sie sogar da, Sie hatten ja 1 auto, auf jeden fall haben Sie Ihre vorurteile gleich bestätigt. lange straßen + nix sonst. zurecht wird Ihnen das heimgezahlt. obwohl Sie nicht wissen, wie Sie jetzt überhaupt noch laufen können, erreichen Sie den bahnhof pünktlich zur abfahrt des zuges. Sie könnten den fahrenden winken, wenn Sie lust hätten.

nun setzen Sie sich erstmal + verschnaufen. merken Sie schon den marathon? spüren Sie die hängende zunge + den pflasterblick in den sätzen? wir sind noch nicht zuende. das ist marathon. es ist immer länger als gedacht. Sie brauchen natürlich jetzt kaffee + wollen nicht zurück + keinen historischen stadtkern suchen, dieses ominöse “fürstenberg“, das Ihnen das navi vorgaukelte. (Sie haben übrigens vorhin 1 bild von 1 schild gemacht, s.o., wo das markiert war, aber Sie lesen ja nix, während Sie knippsen, Sie!) Sie suchen die nächste einkaufsmöglichkeit, 1,1 km (!) entfernt. das schaffen Sie in der stunde.

verbummeln Sie wieder ein bisschen zeit bei der ruinenschau. man müsste einfach überall mal 1 zeitlang wohnen, damit man wirklich weiß, wies da ist. und nicht nur der touriblick so.

bei der meilenweit entfernten industriegebietbäckerei im allyoucanwantkaufhaus ist vor Ihnen der mann, der 3 schrippen will, aber nicht glaubt, dass die hinten im regal, wo die verkäuferin sie in die tüte packt, die gleichen sind wie vorne im glaskasten, weshalb er erstmal in die tüte kucken möchte, ob sie auch nicht zu dunkel sind, aber die verkäuferin lässt ihn nicht, “erst bezahlen” sagt sie + schaut dabei Sie an, als ob Sie was von Ihnen erwarte, z.B. 1 reaktion. Sie lächeln müde hinter Ihrer maske + kucken auf die uhr. Sie kaufen 1 milchkaffee + schnittlauchbrezel + 1 milchhörnchen, müssen alles 2x wiederholen und sehen erst dann das schild “bitte laut + deutlich sprechen”. wenn Sie gefragt werden, ob Sie schokoflocken aufn schaum möchten, sagen Sie laut+deutlich “oh ja gerne!”

essen Sie aufm rückweg im gehen. seit Sie den podcast vom niedrigen blutzuckerspiegel durch bewegung nachm essen gehört haben, haben Sie kein schlechtes gewissen mehr beim essen im gehen/gehen beim essen. stellen Sie dann fest, dass Sie vorhin den zug auch nicht geschafft hätten, wenn Sie die 1 min. schnellere strecke genommen hätten, weil an den bahnsteigen gebaut wird + Sie um den bahnhof 1x rum müssen. na dann. es ist nicht alles schicksal. es geht sich halt einfach mal auf. mal kriegen Sie den zug, notieren sichs extra + fügen später hinzu, dass Sie vergessen haben, welchers war, mal kriegen Sie ihn nicht.

danken Sie dem zug, dass er überhaupt fährt, wegen streik, den neuen schuhen, die zwar schwerer sind als gedacht, was aber laut bewertung, die Sie sofort nachgegoogelt haben, um zu wissen, wie andere leute das sehen und ob Sie also 1 scheiß gekauft haben oder nicht, gar nicht ins gewicht (haha) fällt. es ist die übernächste generation von 1 paar schuhe(n?), die laut waagenvergleich (falsch, “nä?”) 60 g weniger hatten. WIR nehmen halt alle (…) im alter zu, gut, dass wir 1 puffer haben + was wären wir ohne dämpfung. freuen Sie sich, dass Sie seit jahren das 1. mal wieder ohne fersenkeile laufen, weil die achillessehne keine baustelle mehr ist. dafür schrubben die schuhe an den knöcheln, aber naja. beim heimgehen achten Sie auf die “au au” treppen, die muskeln wollen pause.

freuen Sie sich auf daheim, weil Sie nach 7 jahren die holzlattenrostenden Ihres bettes mit gaffaband statt zeitung umwickelt haben und zum 1. mal (!) seit 7 jahren (!) in 1 nicht knarzendes knarrendes bett steigen. warum haben Sie so lange dafür gebraucht? legen Sie sich hin. Sie können jetzt darüber in ruhe (!) nachdenken.

(c) kaschpar