kein ren_tier in sicht

in altbewährter tradition von

„Freiheit und Fairness statt Gleichheit und Gerechtigkeit“ (Vera* Lengsfeld, cdu)

starten wir heute eine neue Serie zum bald beliebten Thema

„prestige(ge)lage und pfandobjekt statt ruhesitz und rentending“.

da es für uns nichts mehr wird mit der Rente, halten wir jetzt schon Ausschau nach möglichen zu besetzenden Ruhekissen.

mit aussicht.
natürlich.
frei zugänglich.
wenn möglich.

heute also Ausgabe nummer eins: ein besonders bequemer Zweisitzer, wenn auch schon leicht ausrangiert, sicher privat organisiert, aber, wie es so ist, die schönsten und ersten zu nennenden sind dann schon die von außen durch Gitter versperrten, nicht öffentlichen: Feuerland-Polster

IMG_0708
(c) kaschpar

(mehr zu diesem herrlichen Objekt z.b. bei den kiezspionen)

und, ach ja, es lohnt sich ja sowieso nicht, das kannitverstan_sparen:

der ist ein narr, wer sammelt gut und hat nicht freud noch frohen mut und weiß nicht, wem er solches spart, wenn er zum finstren Keller fahrt

(zitiert aus dem unbestechlich moralisch über allem stehenden weil fast noch mittelalterlichem Sebastian Brant, das Narrenschiff, 1494, von Habsucht, Reclam S. 18)

dank euch bastl_was_tln


 

*Stand 3.3.16: die seite wurde leider überarbeitet und der link funkt nicht mehr – die seite selbst jedoch ist auf jeden fall eines blickes wert zum thema: meinen denken posten.

der herr schwender. jetzt aber

jetzt aber ist er fertig, der herr schwender, fix und alle.

und nun, wo liegt das problem?

ich sags gleich: woher soll ich das wissen.

was ich weiß, ist: dass es aktuell 226 neubauprojekte in berlin gibt, 59 davon in berlin mitte (stand 02/2014) – moment

dass es 244 neubauprojekte in berlin gibt, 61 davon in berlin mitte (stand 03/2014) – moment

dass es 247 neubauprojekte in berlin gibt, 59 davon in berlin mitte (stand 04/2014)

ich habs mal zusammengefasst.

 

Prado. Living. City Carré.
Ruhig. Urban. Top-Lage.

Moalife. Pax in the City. One2one.
Optimal. Unmittelbar. Fußläufig.

 LUX. YOO. V20 on the Park.
Beliebt. Gefragt. Modern.

   Opernlofts. Residences. Belles Etages.
Historisch. Grundsaniert. Integriert.

 Engelbecken. Hofgärten. Kronprinzengärten.
Individuell. Zeitgemäß. Lebenswert.

 Humboldt Palais. Pergamon Palais. Palais Varnhagen.
Künstlerisch. Kunstvoll. Absolut.

The House. The View.
Beeindruckend. Reizvoll.

Großzügig. Gehoben.
Hochwertig. Elegant.

 Attraktiv. Exklusiv. Repräsentativ.
Erstklassig. Einzigartig. Exzellent.

Serviced.
Luxuriös.
Spektakulär.

Mit einem Wort:
Premiumklasse.

mit besten grüßen aus Berlin-Mitte.
Im Zentrum. Im Herzen. Mitten im Kiez.

 

der Herr Schwender

was beschäftigt dich?, fragt mich das beitrag-erstellen-kästchen bei jedem Aufruf des Dashboards.

nun, der herr schwender. der hat ein problem und geht zu fuß zur Arbeit, aber ob das zusammenhängt, ist nicht sicher.

sicher ist, dass er die chausseestraße hinabläuft, die alte Tautologie, jeden Tag, fünfmal die Woche, zwei Stunden hin und zurück.

da ist viel zeit zum nachdenken.

und weil und weil er nicht fertig nicht fertig werden will, weil sein problem dauert und die Lösung einfach nicht aus den Pflastersteinen herausgelesen werden kann, muss ich immer wieder mitgehen, ein stück bis zur schwarzkopfstraße, ein stück bis naturkundemuseum, er wird einfach nicht fertig.

wider erwarten haben es sogar die ersten bnd-mitarbeiter geschafft, hier anzukommen, während der herr schwender immer noch zwischen den Baustellen linksrechts hinundherschwenkend seine Lösung sucht.

also wird dem Herrn schwender jetzt ein stück entzogen, auf dass es gekürzt rund laufe und schneller vorwärts gehe: Willkommen, BND!

 

Ampel grün, jetzt los. Herr Schwender schwingt sich über die Straßenbahngleise, nur nicht mit dem Regenschirm hier steckenbleiben. Aus dem U-Bahnhof Schwarzkopf strömen lauter Menschen. Laufen Herrn Schwender entgegen in die Wöhlertstraße hinein. Was da wohl ist. Außer Grenzübergang. Hasta la muerte: Tätowierstudio. Weiter nun auf dem schmalen Weg, die nächste Verengung: das nächste Hostel, das hat mit Tischen und Stühlen den halben Gehweg vollgestellt. Alles leer natürlich. Wie der BND.

Da fängt er auch schon an. Trakt auf Trakt auf Trakt zieht er rechts an Herrn Schwender vorbei. Seh nur ich in den Gebäudeumrissen mythische Schriftzeichen verborgen? Der BND will sich hier in der Mitte „öffentlich präsent, in direkter Nähe zu seinen Hauptabnehmern […] neu aufstellen“.1 Wenn er denn kommt. Neben dem Fußballvokabular hat der BND auch die beliebte Berliner Flughafensprache geklaut, hat sich schon eingereiht sozusagen in die lokalen Verhältnisse, die bundesweit durch die Bahn (mittlerweile vor allem als oral tradiertes Klischee) vertreten sind. Der BND hat Verspätung. Aber er kommt, ganz sicher, bald. Ist ja auch schwierig, denn: „Der Bundesnachrichtendienst ist … kein Mieter wie jeder andere. Spezielle Sicherheits- und Technikansprüche aber auch die schiere Größe des notwendigen Objekts für ca. 4.000 Mitarbeiter machen den Bau der neuen Zentrale zu einer besonderen Herausforderung …“2

4.000 Leute. Pullach wird ein verwaistes, ödes Dorf sein, wenn der BND weg ist. Nur die Abteilung UM (=Umzug), die wohl auch nicht gedacht hat, dass sie so lange im Amt bleiben wird, wird dann noch ihre Dorfrunden drehen, den Rückbau organisierend. Wir aber, wir sind bereit. Alles ist längst drauf eingestellt. Die Kameras sind da. Der Zaun auch. Das Hochsicherheitsgelände ist gesichert. Und schon fragt man sich, wer sich alles über den Umzug freut – und Interviewer versuchen die Chausseestraße rauf und runter diese Menschen zu finden. Natürlich als erstes: die Geschäfteinhaber. Die Infrastruktur boomt. Es leuchtet Grün: sie sind bereit. Slim Gym. Manche sind extra wegen des BNDs gekommen, der kommt ja jetzt bald, sie harren aus, schauen aus menschenleeren Geschäftsräumen hinaus hinüber auf die menschenleere Baustelle, schwarzer Hohn die Fenster, die blecken zurück, ein beiges Loch, das saugt und saugt. 

Dieses Café da hinten, Herr Schwender wendet sich noch einmal um – er wendet sich um – ja was macht er denn da, bleibt nicht auf dem Weg, dreht den Körper auf den Hacken herum und blickt zurück – ja spinnt er denn? – das Café da hinten: das hieß doch früher noch anders, irgendwas mit Geheim, passend zum BND. Das hat nicht so lange ausgehalten. Bis der kommt. Der BND.

Herr Schwender wiegt mit dem Kopfe, so, kann ich gleich sagen, so kommt er nicht mehr rechtzeitig an, hier rumstehen und schauen und sinnieren, das geht ja wohl gar nicht. Trödel nicht, sagt die Oma zu Herrn Schmidt, als er gerade berentet einkaufen gehen will, dafür trifft sie der Schlag beim Putzen – oder auch einfach so, wer weiß. Trödel nicht so, Herr Schwender, so schaffen wir das nämlich nicht heute, von rechtzeitig schon kaum mehr zu sprechen.

2 Natürlich müssen wir an dieser Stelle einen historischen Abriss wagen. Wir blicken zurück auf die vormalige Flächennutzung des heutigen BND-Geländes:
a) Invalidenhaus (ab 1748)

b) Exerzierplatz und „Garde-Füsilier-Kaserne“ (ab 1823)

c) Militärsporthalle (1847)

d) Garnisonslazarett (1853) (Wir danken dem BND an dieser Stelle für die Aufarbeitung der Daten auf seiner Homepage samt dem Hinweis, neben dieser militärischen Nutzung habe sich seit 1789 (man erinnere sich hier an die französische Revolution, aber das nur nebenbei) habe sich also in steter Parallele eine industrielle Nutzung entwickelt (Eisen, Eisen, für Gold gab ich – nein andersherum), eine industrielle Nutzung, die schon 100 Jahre später aus Platzgründen den Platz freigab für Arbeiterwohnungen.)

e) Polizeistadion (nach 1918)

f) „Walter-Ulbricht-Stadion“ (ab 1950)

g) „Stadion der Weltjugend“ (ab 1973) (reine Umbenennung) http://www.bnd.bund.de/DE/Einblicke/Neubau_der_Zentrale/Geschichte_Bauplatz/geschichte_bauplatz_node.html (16.3.14) (Und nur, weil ich nicht anders kann, muss ich noch einer Assoziation ihren Lauf lassen, die natürlich vollkommen falsche Schlüsse weckt und nur der Vollständigkeit halber eingefügt wird: Gerade in diesem Jahr 1973, mitten im „red woodstock“ (ja, das hatten wir auch), liefen auf diesem Gelände schon einmal 4.000 Mann herum – und zwar als verkleidete Stasi-Mitarbeiter (= Stasi-Mitarbeiter, die verkleidet waren) mit der dankbaren Aufgabe, die ganzen Jugendlichen auf den X. Welt(!)festspielen „zu beobachten und zu dokumentieren“.http://www.mdr.de/geschichte-mitteldeutschlands/magazin/artikel3734.html. (16.3.14) Aber auch das nur nebenbei.)

h) BND-Stadion. (Leider gewann Berlin die Ausschreibung für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2000 nicht, sonst hätte h) wohl Olympiastadion lauten müssen und man hätte in naher Zukunft keine Wohn- oder anderen Gewerbeflächen einrichten können. Geldmangel hin oder her. So was lässt man sich was kosten.)

 

es ist soweit. made in china war gestern.

man hat sich also eingereiht in die führungsriege westlicher produktionsgiganten

und hat sie übernommen die ökonomisch gewinnmaximierende strategie, teure handwerksarbeit wie (sport)schuhfabrikation auszulagern in billiglohnländer.

ein nur natürlicher aufstieg. wer möchte das nicht.

vom ausgebeuteten produ-zenten zum profitierenden konsum-enten.

nun heißt es: merchandised by china – made in ethiopia.

ach so, genau, um die reihe zu vervollständigen:

booked in germany – merchandised by china – made in ethiopia.

delivered by a service-institute by order of dhl.

äthiopien, ein land mit zukunftsperspektiven (erst mal arbeit – das ist die hauptsache): 30 euro lohn im monat, mit überstunden 45 euro (abzügl. 15 euro für 5 qm wohnung, ohne fenster natürlich – wer 10 stunden täglich 6 tage die woche arbeitet, wird das als letztes vermissen) – 1 euro am tag. aber natürlich: mit gutem gewissen. denn der verdienst liegt noch weit über dem äthiopischen mindestlohnniveau.

was macht man jetzt da?

ach ja – mensch, da fällt mir ein: frau nahles!

sie haben doch bestimmt nichts vor die nächste zeit oder? wie wärs mal mit einem abstecher in den süden? sie haben doch immer so tolle ideen. wie den mindestlohn (rauchen/führerschein) erst ab 18  wäre das nicht auch ein exportschlager?

ach ja, falls sie fahren:

lassen sie sich bitte zeit.

viel zeit.

neue Wörter heute: Reflection-Angriffe.

Heute gefunden auf der Website der Allianz für Cyber-Sicherheit, einer Initiative des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) gegründet wurde, unter dem Menüpunkt Informationspool speziell für Anwender: die Infomappe „Maßnahmen gegen Reflection Angriffe“.

Vorsicht, es geht weiter.

Zur Erläuterung ein Zitat:

„Das BSI beobachtet in den letzten Monaten eine deutliche Zunahme an Distributed-Denial-of-Service (DDoS)Angriffen, die sogenannte Reflection-Techniken einsetzen. Bei einem Reflection Angriff wird das Opfersystem nicht direkt angegriffen. Stattdessen spielt der Angreifer „über Bande“ (reflection). Dazu sendet er eine Anfrage mit gefälschter Absenderadresse an ein Zielsystem (Bande). Als Absenderadresse wählt er dabei die Adresse des Systems, das er angreifen möchte (Opfersystem). Die Antwort auf die Anfrage des Angreifers erhält dann aufgrund der gefälschten Adresse nicht der Angreifer, sondern das Opfersystem.“

?

Falls sich jemand angesprochen fühlt: „In diesem Dokument beschreibt das BSI zahlreiche Möglichkeiten zur Absicherung von Systemen.“

Macht es noch Sinn weiterzumachen?

Macht macht? (oder macht Macht?)

Falls ja: hier die Infomappe „Arbeitsgruppe Cybersicherheit der IMK: Sicherheit mobiler Endgeräte im Cyberraum“ im pdf-Format. 

Falls nein: Wie war das noch, Herr Enzensberger? Alles wegschmeißen? Oder nur das Handy?

Ich seh schon: Füller wieder zwischen die Finger und zurück in die erste Klasse. Ich habs leider schon fast verlernt, das selbständig einhändige Buchstabenmalen.

Schönschreiben. schön schreiben. Schönes schreiben.