tot_art

Die Drehbücher sind erfunden, eigentlich weiß das auch jeder, und das ist auch gut. Man stelle sich vor, wie entsetzlich der „Tatort“ wäre, würde er tatsächlich als „Spiegel der Gesellschaft“ fungieren, wie es bisweilen heißt. Dann würden im Berlin-„Tatort“ 89 Minuten lang nur Fahrräder geklaut.

Klaus Raab, Der „Tatort“ in Zeiten des Postfaktismus. An jedem verdammten Sonntag

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#ff follower_friday

Wir hassen die Menschen und wollen doch mit ihnen zusammensein, weil wir nur mit den Menschen und unter ihnen eine Chance haben, weiterzuleben und nicht verrückt zu werden. Mit dem Alleinsein halten wir es ja nicht gar so lang aus, so Reger, wir glauben, wir können allein sein, wir glauben, wir können verlassen sein, wir reden uns ein, wir können allein weiterkommen, so Reger, aber das ist ein Hirngespinst. Wir glauben, ohne Menschen auskommen zu können, ja wir glauben sogar, ohne einen einzigen Menschen auskommen zu können und bilden uns ja auch ein, wir haben nur eine Chance, wenn wir nur mit uns selbst allein sind, aber das ist ein Hirngespinst. Ohne Menschen haben wir nicht die geringste Überlebenschance, sagte Reger, wir können uns noch so viele große Geister und noch so viele Alte Meister als Gefährten genommen haben, sie ersetzen keinen Menschen, so Reger, am Ende sind wir vor allem von diesen sogenannten großen Geistern und von diesen sogenannten Alten Meistern alleingelassen und wir sehen, dass wir von diesen großen Geistern und Alten Meistern auch noch auf die gemeinste Weise verhöhnt werden und wir stellen fest, dass wir mit allen diesen großen Geistern und allen diesen Alten Meistern immer nur in einem Verhöhnungsverhältnis existiert haben.

Thomas Bernhard, Alte Meister


die 2 mir wichtigsten bilder vereint mit dem mir wichtigsten schriftsteller: mit herzlichen Grüßen an pagophilia

nur überhört

älteres ehepaar, im bus

>Sie: Ich glaub ja, dass die Maria eine Angststörung hat.
<Er: Und der Peter hat auch eine Störung.
>Ach ja?
<Ja.
>Was denn für eine?
<Reinlichkeitsstörung.
>Reinlichkeitsstörung.
<Ja. Der will über alles die Kontrolle haben.
>Ungebildet ist er auch.
<Und die Maria hat immer Angst, dass was passiert.
>Ich weiß noch, wie sie uns immer geholt haben, als der Peter vom Balkon springen wollte.
<Und die Maria kann die Miete bald nicht mehr zahlen.
>Ach!
<Noch fünf, sechs Jahre, dann ist sie pleite.
>Das war ja klar.

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(c) kaschpar